Grußwort des Oberbürgermeisters der Landesmöbelhauptstadt Kiel anläßlich der Eröffnung des Höffner-Möbelmarktes auf dem Prüner Schlag

Die Eröffnung der 24. Filiale der Höffner-Kette ist ein großer Tag für unsere geliebte Klimaschutz­stadt Kiel, denn dadurch können wir der Welt in aller Deutlichkeit zeigen, welches Klima wir mit höchster Priorität schützen wollen: Natürlich das Wirtschafts- und Investorenklima!

Hier, wo sich heute ein prachtvoller Betonklotz stolz und knallrot erhebt, erstreckte sich noch vor 10 Jahren eine öde und wirtschaftlich unproduktive Kleingartenanlage. Übellaunige Pächter vergeudeten ihre Zeit damit, in der schlammigen Erde herumzuwühlen und an irgendwelchem Gestrüpp herumzugärtnern.

Unser weitsichtiger Amtsvorgänger Thorsten Albig und sein grüner Kooperationspartner Peter Todeskino konnten diesen Zustand nicht länger ertragen und beschlossen, das Gelände einer besseren Nutzung zuzuführen. Sie erkannten, daß Kleingärten im 21. Jahrhundert vollkommen überflüssig sind, da uns heutzutage durch den agrarwissenschaftlichen Fortschritt das ganze Jahr über ebenso preiswerte wie geschmacksfreie Lebensmittel zur Verfügung stehen.

Konsequenterweise bezeichnete Albigs Nachfolgerin Susanne Gaschke die Kieler Kleingärten als „Bauerwartungsland“, und Peter Todeskino forderte, gleich den ganzen historischen Grüngürtel Kiels aufzulösen. Damit war der Weg gewiesen für eine fortschrittliche Stadtentwicklung.

Auch der enorme Leerstand in der Kleingartenanlage Prüner Schlag machte eine Auflösung der Anlage zwingend notwendig: Von den 330 Parzellen standen im Jahr 2012 immerhin 13 leer, das sind 3.9 Prozent – die Anlage war also nahezu verlassen!

Es war ein ganz unerwartetes Glück, daß sich in dieser Lage eine der großen Unternehmer­persönlichkeiten Deutschlands, kein geringerer als Klaas Klever – äh – Kurt Krieger, bereit erklärte, unsere Stadt von dieser vorsintflutlichen Kleingartenanlage zu erlösen und stattdessen einen zeitgemäßen Konsumtempel zu errichten – und all dies auf eigene Kosten!

Wir alle wissen, wie sehr diesem Konzernlenker das Wohl noch des kleinsten seiner Angestellten am Herzen liegt. Anstelle seiner Belegschaft einen eintönigen und langweiligen Arbeitsalltag bei festem Gehalt aufzubürden, verschafft er ihr Anregung und Nervenzusammenbruch – äh – Nervenkitzel durch ein Provisionsmodell bei mickrigem Grundgehalt. Da dadurch das unternehmerische Risiko auf den einzelnen Mitarbeiter verlagert wird, kann sich jeder einzelne wie ein kleiner Unternehmer und Firmenchef fühlen – zweifellos eine Win-Win-Situation!

Es ist unbegreiflich, daß Teile der Kieler Bevölkerung diesem Wohltäter anstatt purer Dankbarkeit nichts als kleinliches Gemäkel, ja sogar Ablehnung entgegenbrachten. Diese weltfremden Elemente verwendeten allerlei bizarre Kritikpunkte, irgendwas mit Wildbienen, Fledermäusen und Singvögeln, oder sie behaupteten, die Grünflächen­versorgung der Anwohner sei gefährdet – eine absurde Behauptung, da doch die Ausgleichsflächen in Hummelfeld nur etwa 37 Kilometer entfernt liegen, da kann doch jeder Anwohner abends mit Bello schnell mal hinspazieren.

Sie griffen sogar zu dem extremen Mittel eines Bürgerentscheids – das der Landtag von Schleswig-Holstein kurz zuvor eingeführt hatte – um den Fortschritt und die Stadt­entwicklung zu sabotieren. Nur durch einen vereinten Kraftakt aller verantwortungs­bewussten gesellschaftlichen Kräfte – Parteien, Gewerkschaften, Medien – und unter Einsatz von über 30.000 Euro Steuergeldern konnte die drohende Gefahr eines Planungsstopps knapp abgewendet werden.

Der kommissarische Oberbürgermeister Todeskino trug zu diesem Erfolg bei durch den genialen Einfall, schon vor der Abstimmung einen großen Teil der Kleingartenlauben abreißen zu lassen, unter dem klug eingesetzten Vorwand der „Verkehrsicherung“ – dadurch entstand für viele Menschen der durchaus erwünschte Eindruck, es gebe nichts mehr zu retten und der Bürgerentscheid komme somit zu spät. An diese Episode werden wir Kieler uns immer anhand eines denkwürdigen Zitates erinnern: „Abriss schafft keine Fakten“.

Nach dem glimpflich verlaufenen Bürgerentscheid schritt der Krieger-Konzern fast unverzüglich zur Tat und begann nur sechseinhalb Jahre später mit den Bauarbeiten. Bekanntlich arbeitet dieser Konzern immer sehr akkurat – fast immer, nur leider las ein einzelner Baggerfahrer 6 Wochen lang die Karte falsch und zerstörte dabei drei ökologische Ausgleichsflächen von insgesamt 6.2 Hektar Größe. Das ist aber nicht so schlimm, da die zahllosen Vandalen aus der Bevölkerung die fraglichen Flächen vorher ohnehin schon vollkommen verwüstet hatten. Die Schurken haben tatsächlich komplette Bäume gefällt und abtransportiert – zumindest kennt jemand aus dem Baudezernat jemanden, der jemanden kennt, der das vor Jahren mal so behauptet haben soll.

Aber nun ist ja alles glücklich überstanden, und wir wünschen dem Möbelmarkt klingende Kasse. Und um dem Konzern-Chef nicht die Laune zu vermiesen, werden die städtischen Ämter sicher gern mal ein paar Augen zudrücken, wenn die Wiederherstellung der zerstörten Flächen noch ein paar Monate – oder auch ein paar Jahre – auf sich warten läßt.

Besonders positiv hervorzuheben ist die „Kurt Krieger Stiftung für nachhaltiges Bauen“. Sie wird uns sicher alle davon überzeugen, daß es nachhaltig ist, große Flächen zu versiegeln und uralte Wälder in Osteuropa abzuholzen, um daraus Wegwerfmöbel herzustellen.

Wir freuen uns über 280 neue Arbeitsplätze für Kiel – und wir vertrauen fest darauf, daß diejenigen Möbelhäuser und sonstigen Unternehmen, deren Umsatz einbrechen wird, weil der neue Höffner-Markt die Kaufkraft auf sich zieht, wie durch ein Wunder und entgegen jeder betriebswirtschaftlichen Logik keine 280 Arbeitsplätze abbauen werden.

Dank Krieger ist unsere geliebte Heimatstadt um ein architektonisches Juwel reicher geworden, und aus Dankbarkeit werden wir als nächstes den Westring in Kurt-Krieger-Ring umbenennen. Anschließend werden wir dann Investoren für die verbliebenen Teile des Kieler Grüngürtels suchen. Und mit den dabei gewonnenen Gewerbesteuern werden wir Informationsbroschüren über Klimaschutz drucken lassen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Bleiben Sie gesund und kaufen Sie sich rasch neue Möbel.

Der Abgesandte des Oberbürgermeisters beim Verlesen des Grußwortes (Kiel, Westring; 30.10.2021)

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