Stellungnahme, der Bürgerinitiative PROJEKT PRÜNER PARK zum Thema „illegale Zerstörungen auf den Maßnahmenflächen, Baustelle Möbel Höffner“

Stellungnahme zu:

  • Geschäftliche Mitteilung zum Bauvorhaben „Möbel Höffner”, Drs. Nr. 0389/2021
  • Antwort von Stadträtin Grondke auf: „Offener Brief” des PROJEKT PRÜNER PARK vom 25.3.2021
  • Antwort von Stadträtin Grondke auf: „Offener Brief” von J. Brüggemann vom 29.3.2021
  • Antwort von OB Dr. Kämpfer auf: Online-Petition von J. Brüggemann auf change.org
  • Gutachten „Nachbilanzierung für die Maßnahmenflächen” (Bioplan) vom 19.3.2021

Wir begrüßen es, daß sich die Stadt zu der Notwendigkeit einer „raschen und lückenlosen Aufklärung der Geschehnisse” bekennt und erkennbar um bessere Transparenz bemüht ist. Auch den „ausdrücklichen Dank” für unser Engagement registrieren wir positiv und nehmen ihn als Ermunterung, unser Engagement für die Aufklärung der Geschehnisse und den Erhalt des Kieler Grüngürtels weiter zu intensivieren.

Aus den oben genannten, vom Bau- und Umweltdezernat veröffentlichten Dokumenten erfahren wir, dass auch die Teilnehmer des Ortstermins vom 11.11.2020 die – mehrfach für diesen Tag dokumentierten – Bagger auf den Ausgleichsflächen bemerkt haben. Andererseits scheint das Bau- und Umweltdezernat weiterhin auf dem Standpunkt zu stehen, es hätten an diesem sowie den folgenden Tagen nur noch „zulässige Pflegearbeiten (…) und die Anhäufung des bis dahin angefallenen Schnittguts” stattgefunden.

Daß dieser Standpunkt den Tatsachen entspricht, erscheint aber aus folgendem Grund zweifelhaft: Das Bioplan-Gutachten erwähnt Bestandsaufnahmen der Baumbestände vom 16.-18.11.2020, also genau in dem fraglichen Zeitraum, sowie im Januar 2021, und schreibt dazu: „Allerdings sind Bäume durch das Büro Grimm noch im November 2020 erfasst worden die im Januar nicht angetroffen wurden”. Da es unwahrscheinlich ist, daß Anwohner und Spaziergänger heimlich ganze Bäume gefällt und fortgeschafft haben, wäre dies als Hinweis auf weitere illegale Fällungen seitens des Bauherrns zu werten. Um diesen Punkt zu klären, wäre es dringend notwendig, daß die Anhänge (Karten, Photos, Baumlisten) zum Bioplan-Gutachten ebenfalls veröffentlicht werden.

Die nächste offene Frage betrifft die nach Angaben des Bau- und Umweltdezernats am 11.11.2020 erlassene „Verfügung” oder „Aufforderung” mit dem Inhalt, „die illegalen Rodungen sofort einzustellen“. Zunächst einmal legt der Umstand, daß eine solche Verfügung überhaupt für notwendig gehalten wurde, nahe, daß die „unsachgemäßen Arbeiten“ wohl doch noch nicht abgeschlossen waren. Ferner gibt es indirekte Hinweise darauf, daß diese Aufforderung den Bauherrn, bzw. die Bauleitung nicht erreicht hat. Die Kieler Nachrichten schreiben am 29.4. dazu: „Auch an die Kommunikation beim Ortstermin am 11. November gibt es offenbar unterschiedliche Erinnerungen. Grondkes Fachleute beharren darauf, dass die Untere Naturschutzbehörde da jegliche weitere Rodung mündlich untersagt habe. Höffner soll das bestreiten.“

Im Rückblick ist es schwierig herauszufinden, was wirklich geschehen ist. Behörden, Bauherr und ausführende Firmen können sich gegenseitig die Schuld für die gescheiterte oder ausgebliebene Kommunikation zuschieben, ohne daß der Vorgang aufgeklärt werden kann, solange keine zusätzliche Information zugänglich wird, wie sie beispielsweise die für die „illegalen Rodungen“ verantwortliche Gartenbaufirma liefern könnte.

Es ist bedauerlich, daß die Beurteilung des angerichteten Schadens auf den Ausgleichsflächen, wie sie im Bioplan-Gutachten vorgenommen wird, sich in hohem Maße auf „besonders geschützte Tierarten“ beschränkt. Auch wenn keine Tötung von Kammolchen oder Fledermäusen nachge­wiesen werden kann, stellt die fast vollständige Verwüstung eines Gesamtbiotops von über 6 Hektar Ausdehnung, mit ihren unzähligen ökologisch wertvollen Arten, doch einen gravierenden Verstoß gegen den Naturschutz dar, der für die Verantwortlichen zu gravierenden Konsequenzen führen sollte.

Aus dem Gutachten erfahren wir ferner: „Im Sommer 2020 wurde durch die LH Kiel eine aktuelle (Bestands-)Kartierung der Maßnahmenflächen angefordert (…) Das beauftragte Büro JUNG gab gegenüber der LH Kiel zu bedenken, dass die Flächen über lange Jahre nicht gepflegt und damit kaum betretbar waren, so dass eine aktuelle Kartierung keinen Erfolg versprach.” Das heißt im Klartext: Die Absicht, eine Bestandskartierung einer ökologischen Ausgleichsfläche durchzuführen, mit dem Ziel weiterer Entwicklung und Aufwertung, führte zur weitgehenden Zerstörung ebendieser Fläche! Somit hat die LH Kiel diese Zerstörung mitverursacht.

Sehr verärgert sind wir über den Umstand, daß in den vom Bau- und Umweltdezernat erstellten Dokumenten, wie auch in einer Pressemitteilung der SPD-Ratsfraktion, zunehmend von angeb­lichem „Vandalismus“ seitens „Spaziergängern“ und „Erholungssuchenden“ die Rede ist. Es ist vollkommen inakzeptabel, daß hier offenbar versucht werden soll, eine Teilschuld an den Zerstö­rungen auf die Bevölkerung abzuschieben. Hat die das Bau- und Umweltdezernat Daten erhoben, aus denen hervorgehen würde, daß durch die Bevölkerung ökologische Schäden verursacht worden wären, deren Ausmaß auch nur entfernt an die vom Bauherrn verursachten Schäden heranreichen würden?

Das Bioplan-Gutachten führt das Verschwinden der 2013 aufgehängten Vogel- und Fledermaus­kästen „auf Vandalismus“ zurück. Das hat aber mit der heutigen Situation nichts zu tun, weil 2013 die Pächter ihre Parzellen verließen, worauf diese systematisch ausgeplündert wurden, aber nicht von „Spaziergängern“ und „Erholungssuchenden“, sondern von professionellen Gruppen. Auch der im Gutachten erwähnten Aussage eines „Mitarbeiters der Fa. Krieger“, es seien „auch einige Bäume durch Vandalismus (…) gefällt“ worden, kommt keinerlei Beweiskraft zu.

Sehr kritisch ist in diesem Zusammenhang auch die Ankündigung zu bewerten, das Betreten der Fläche komplett zu unterbinden. Es ist doch gerade durch das quasi vollständige Versagen der Umweltbehörden gezeigt worden, daß in dieser Stadt anscheinend die Bevölkerung die Aufgabe, Großbaustellen hinsichtlich des Naturschutzes zu überwachen, selbst in die Hand nehmen muß. Originalzitat: „Bei Hinweisen auf unzulässige Handlungen wäre eine solche Kontrolle unverzüglich erfolgt. Für anlasslose Kontrollen gab es keinen Grund.“ Die Umweltbehörden treten also nur bei Hinweisen (aus der Bevölkerung) in Aktion.

Der anwohnenden Bevölkerung ist durch den Verkauf des Geländes ein großes Grüngebiet fortge­nommen worden, und bis heute besteht Unverständnis darüber, daß 18 Hektar verkauft wurden für ein Bauprojekt, das nur 10-11 Hektar benötigt. Vor diesem Hintergrund sollte die Stadt davon Abstand nehmen, die Fläche vollständig zu sperren; des weiteren sollte sich die Kommunalpolitik mit Priorität darum bemühen, daß Höffner weitere Flächenanteile der Sonderfläche für die Wieder­begrünung frei gibt, wie es auch im Bioplan-Gutachten gefordert wird. Die gesamten Ausgleichs­flächen sollten sodann schnellstmöglich in städtisches Eigentum zurückkehren, wie es im Übrigen auch der Kaufvertrag zuläßt.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: