Einige Gedanken zum Klimawandel

Vor einiger Zeit fiel mir auf, daß das Datum meiner Geburt zufällig mit dem „Bergfest“ des Kalten Krieges zusammenfiel: Im Jahre meiner Geburt lag das Ende des Zweiten Weltkrieges 22 Jahre zurück, und als ich 22 Jahre war, löste sich die Sowjetunion auf, die Berliner Mauer fiel, usw. Natürlich konnte 1967 niemand wissen, wie lange der Kalte Krieg noch andauern würde.

Ich habe den Kalten Krieg als bedrückende Zeit in Erinnerung, auch wenn uns in Westdeutschland materiell an nichts fehlte. Die Gefahr eines atomaren Weltuntergangs hing ständig wie ein Damokles-Schwert über unseren Köpfen. Ich erinnere mich an einen Mitschüler, der mir Mitte der 80er Jahre sagte, er rauche und trinke ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, da sein Leben ohnehin in wenigen Jahren im Dritten Weltkrieg enden werde. Ich begriff damals, daß auch ein Kalter Krieg töten kann.

Es kam dann ja anders, und ich weiß nicht, wie es meinem früheren Mitschüler heute gesundheitlich geht. Der Höhenflug der frühen 90er, der Kater nach der Wiedervereinigung, die Terrorwelle der 2000er. Niemand sorgt sich mehr um Atomwaffen, und selbst die zivile Nutzung der Kernkraft neigt sich dem Ende zu.

Aber in den letzten Jahren ist am Himmel ein neues Damokles-Schwert aufgetaucht, das droht, uns den Lebensmut zu rauben: der Klimawandel. Ein diffuser, aber allgegenwärtiger und hinterhältiger Gegner, er verbirgt sich in schmelzenden grönländischen Gletschern, in den unergründlichen Temperaturverteilungen der Ozeane und in den noch unergründlicheren mathematischen Gleichungen der Klimaforscher. Jede Lebensäußerung wird zum Verbrechen am Weltklima: Reisen, Fleisch, Autos, Heizen, … selbst beim Ausatmen befallen uns Gewissensbisse, denn es ist Kohlendioxid, das wir ausatmen.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß wir uns um die zukünftige Entwicklung des Weltklimas Gedanken machen sollten. Und bei aller andauernden Diskussion der Experten läßt sich nicht ernstlich abstreiten, daß die Menschheit zuviel Treibhausgase ausstößt. Aber wie soll die Mammutaufgabe bewältigt werden, die gesamte Weltwirtschaft nachhaltig umzugestalten, und das möglichst innerhalb weniger Jahre? Das erscheint so vollkommen undurchführbar, daß kein Raum für Hoffnung bleibt. Die Panik und die Hoffnungslosigkeit sind bei der von Greta Thunberg angeführten weltweiten Bewegung deutlich zu spüren. „Hope dies – action begins“ heißt es bei den Aktivisten von „Extinction Rebellion“. Aber was für eine „action“ soll auf der Grundlage von Panik und gestorbener Hoffnung durchgeführt werden?

Wieder droht die Aussichtslosigkeit einer tödlichen weltweiten Gefahr das Leben einer ganzen Generation zu verdüstern. Aber ist dies wirklich notwendig? Welchen Nutzen bringt es, wenn wir den Rest unseres irdischen Lebens mit Wehklagen und Weltuntergangsdepression verbringen? Ist denn keine andere Reaktion auf drohende Gefahren und bevorstehende Herausforderungen möglich?

Seien wir realistisch. Die Politik wird dies und jenes gegen den Klimawandel beschließen, oder vielleicht auch nicht beschließen, aber die nach Meinung der Experten notwendige Radikalumkehr wird sie nicht zustande bringen. Selbst ein Diktator mit unbeschränkter Macht über die gesamte Welt würde sie vermutlich nicht zustande bringen, zu groß sind die Widerstände und Trägheiten. Also müssen diese und die folgenden Generationen lernen, mit dem Klimawandel zu leben.

Daß das Klima sich wandelt, ist ja nichts neues für den Planeten, das hat es immer schon getan, auch ohne menschliches Zutun. Eiszeiten kamen und gingen, die Natur passte sich an. Für den Wandel gab es verschiedene Ursachen, die auch jetzt und in Zukunft wirksam bleiben, so wie die langperiodischen Änderungen der Parameter der Erdbewegung im Sonnensystem; darauf haben wir Menschen keinerlei Einfluß. Daß die Wissenschaft jemals eine totale technische Kontrolle des planetaren Klimas erzielen könnte, halte ich für eine gefährliche Illusion.

Es nützt also nichts, die Menschheit wird sich an das jeweilige Klima anpassen müssen, ganz gleich, was die Ursachen für dessen Wandel sind. Ein Aussterben der Menschheit ist nicht zu befürchten – diese Spezies ist zäh. In dieser Hinsicht übertreibt „Extinction Rebellion“. Insbesondere aber müssen wir mit dieser völlig unproduktiven Weltuntergangsstimmung aufhören, die macht alles nur noch schlimmer. Ich will wieder ohne schlechtes Gewissen ausatmen können.

Und selbstverständlich bin ich weiterhin dafür, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise in Richtung größtmöglicher Nachhaltigkeit umzugestalten, soweit sich dies ohne Diktatur realisieren läßt.

Parzelle 556 im Januar 2020: Blick nach Osten

Parzelle 556 im Januar 2020: Blick nach Westen

 

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