Nachtrag zu „Unfreiwillige Archäologen“

Mein Artikel zum Thema „Müll in Kleingärten“ ist auf recht große Resonanz gestoßen. Es wurde von Lesern mit Recht darauf hingewiesen, daß solcher Müll nicht notwendigerweise von Vorpächtern stammt, sondern oft auch von Mitbürgern, die keinerlei persönlichen Bezug zu der jeweiligen Kleingartenanlage haben (sprich: nicht selbst Pächter sind), sondern diese nur als bequeme Müllkippe mißbrauchen.

Ich möchte auch betonen, daß der Artikel keineswegs die Absicht verfolgte, einen bestimmten Kieler Verein, bzw. dessen Vorstand, zu kritisieren, sondern ein Problem ansprechen wollte, das viele Vereine betrifft. Mir sind konkrete Beispiele für den beschriebenen Mißstand aus mehreren Kieler Vereinen bekannt, aber nur von einem dieser Beispiele lagen mir Photos vor.

Schließlich hat sich die Pächterin dieses besonderen Gartens, den die Photos zeigen, selbst noch mal ausführlich zu Wort gemeldet, um ihre Erfahrungen zu schildern, und sie hat dies in so authentischer Form getan, daß ich beschlossen habe, diese Schilderung (mit ihrer freundlichen Genehmigung) an dieser Stelle zu veröffentlichen:

Ich wußte bei der Übernahme, daß da Müll in und hinter der Laube lagert. Ich habe ja bewußt einen „häßlichen“ Garten übernommen, um den wieder schön zu machen, aber daß ich dann selbst in einem Meter Tiefe noch auf dicke Schichten Müll treffen würde, war mir nicht klar. Die drei Dinge, die meine Kumpels und ich am häufigsten fanden waren Dachpappe, Eternit und rostige Sägen. Aber es war noch viel mehr; Spielzeug, Kleidungsstücke, Lacke, (Auto-)Batterien, unbeschriftete, aber volle Chemikalienbehälter, Fliesen, lackiertes Holz, Metallschrott, Wellblech, Plastikmüll in allen möglichen Formen, betongefüllte Regenrinnenrohre… Ich wollte ein Beet anlegen, stach mit dem Spaten in den Boden, und es zischte plötzlich sehr laut. Boah, hab ich da ’nen Schrecken bekommen! Es stellte sich heraus, daß ich eine Spraydose angestochen hatte, deren Beschriftung nicht mehr lesbar war. Ich habe dann vorsichtig weitergebuddelt und etwa 1,5 Kubikmeter Müll zu Tage befördert, teilweise mit Gehwegplatten abgedeckt, unter der Grasnarbe. Und ich wollte doch nur schnell ein Beet für meine beiden Stachelbeersträucher anlegen. Monate später waren die Stachelbeeren dann im Beet und der Müll draußen. Dafür mußte ich mich aber auch von mehreren Nachbarn anschnauzen lassen, daß der Müll da gefälligst gestern noch verschwinden möge. Was denken die, wie schnell das geht, wenn man ’n halbfertiges Studium, eine Vollzeit-Ausbildung und ’nen Nebenjob an der Backe hat? Und was denken die, wie viel Geld ich hab für die Entsorgung von Eternit und Dachpappe? Das schaffe ich eben immer nur etappenweise, in kleinen Mengen. Unter der alten baufälligen Hütte, die ich mit Kumpels zusammen im April abgerissen habe, fanden wir 5 weitere alte Fundamente. Gips, Beton, alles dabei, Sinnvolles und Unsinniges. Und noch mehr Müll. So konnten wir nicht wie geplant im April mit dem Bau der Hütte beginnen, sondern vor einigen Wochen erst. Das Provisorium der häßlichen Zeltplane existiert also immer noch, wer mal an Parzelle 355 vorbeigekommen ist, hat dieses „Endzeit-Zeltlager“ vielleicht gesehen. Daß das nicht schön ist, seh ich ja auch ein. Aber wenn ich vom Verein eine Mahnung bekomme, in der steht, daß eine kleingärtnerische Nutzung nicht erkennbar sei, finde ich das nicht ansatzweise lustig. Ich baue schon so einiges an: Kartoffeln, Zucchini, Kürbisse, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Josta, dornenlose Brombeeren, Erdbeeren, Äpfel, Kirschen, Sanddorn, Hagebutten, Kiwis, … und in Planung ist noch mehr.

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