Unglaublich! Schon wieder Besetzer auf dem Prüner Schlag!

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Bürger & Bürgerinnen von Kiel!

Das 1. Kieler Guerilla-Gardening-Battalion gibt hiermit bekannt: Unsere Einheiten übernehmen ab sofort die Kontrolle über Parzelle 556, einschließlich dieses Blogs. Wir erklären die lasche Strategie des Pächters, der glaubte, er könne mit dem Investor verhandeln, für gescheitert.
Der derartige Zustand des Gartens ist vollkommen inakzeptabel – ab jetzt werden wir dort entschlossen durchgreifen und den Garten in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzen. Wir haben bereits mit dem Rückschnitt der Hecke begonnen (bzw. dessen, was nach dem Bagger-Angriff vom Dezember davon übrig geblieben ist). Anschließend werden wir die Beete wiederherstellen und etwas Wintergetreide aussäen.

Wenn unser Einsatz in Parzelle 556 mit zufriedenstellendem Ergebnis beendet ist, werden wir uns den übrigen 329 Parzellen zuwenden. Freiwillige, die unsere Reihen verstärken wollen, sind stets willkommen. Wir werden zu gegebener Zeit über unser weiteres Vorgehen informieren.

Venceremos!
gezeichnet: Comandante Pusteblume

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Masterplan Kleingartenbeseitigung

Viele Rechtsverstöße in Kleingärten“ – mit blankem Entsetzen liest der ehrbare und gesetzestreue Bürger diese Meldung in den „Kieler Nachrichten“ (KN) vom 7. August 2018. Die Kieler Kleingartenanlagen erscheinen ihm plötzlich als rechtsfreie Räume, als bedrohliche No-Go-Areas, und die Kleingärtner selbst als zwielichtige Bande von Rechtlosen und Gesetzesbrechern.

Wer den Artikel weiter liest, erfährt, um welche ungeheuerlichen Verstöße es sich handelt: Überschreitung der maximal zulässigen Laubengröße, Unterschreitung der minimal erforderlichen Anbaufläche, und … ja, äh, war da sonst noch was? Man liest nur schwammig, es gehe um die „Einhaltung der Regelungen aus dem Generalpachtvertrag und der Gartenordnung“.

Moment mal. „Rechtsverstöße“ ? In Bezug auf eine „Gartenordnung“? Da hat aber jemand verbal mächtig aufgerüstet. Wenn ich mir zum Stichwort „Rechtsverstöße in Deutschland im Jahr 2018“ Gedanken mache, wären Kleingärten gewiß nicht das erste, was mir in den Sinn käme.

Haben wir eigentlich keine ernsteren Sorgen? Konzerne, die systematisch gegen Arbeitnehmerschutzbestimmungen verstoßen, Mafia-Clans, die Millionen mit betrügerischen Anrufen ergaunern, Hunderttausende von Wohnungseinbrüchen pro Jahr, von denen über 80% nie aufgeklärt werden? Wohl alles Lappalien, verglichen mit den Rechtsbrüchen Kieler Kleingartenpächter.

Der zitierte Artikel in den KN bezieht sich auf die Welle von Mahnschreiben, die der größte Kieler Kleingärtnerverein seit einigen Wochen auf seine Pächter niederprasseln läßt. Diese wiederum wurde vermutlich ausgelöst durch den wachsenden Druck, den die Stadt Kiel auf die Vereine ausübt. Die KN zitieren immerhin den Verdacht eines Betroffenen, es gehe der Stadt vermutlich darum, „Kleingartenanlagen als Bauland zu Geld zu machen“. Beim flüchtigen Leser, der nur die Überschriften liest, bleibt allerdings nur die Verknüpfung von „Kleingärten“ und „Rechtsverstößen“ hängen.

Ferner ist dem Artikel zu entnehmen, es sei aus Sicht der Stadt „alternativlos, konsequent sowohl durch die Immobilienwirtschaft als auch durch das Amt für Bauordnung vorzugehen“. Der Begriff „alternativlos“ (Unwort des Jahres 2010) wird bekanntlich immer dann verwendet, wenn jemand eine öffentliche Diskussion im Keim abwürgen will. Im Übrigen versteckt sich die Stadt hinter den üblichen juristischen Floskeln, wie „Haftungsgründe“ und „Betreiberverantwortung“.

Es kann aber doch nicht angehen, daß es über die Zukunft der Kieler Kleingartenanlagen keine öffentliche Diskussion gibt, sondern daß stattdessen langsam aber sicher Fakten geschaffen werden, indem immer mehr Pächter aus ihren Parzellen vergrault werden und die Vereine allmählich in die Pleite getrieben werden (etwa durch die wundersame Vermehrung der Pachtfläche im neuen Generalpachtvertrag). Man fragt sich inzwischen doch ernsthaft, ob es im Kieler Rathaus einen hochgeheimen „Masterplan Kleingartenbeseitigung und Grüngürtelabwicklung“ gibt, der als Maßnahme unter anderem „Schikanierung der Pächter mittels extrem strenger Anwendung der Bestimmungen der Gartenordnung“ vorsieht. In einem demokratisch verfaßten Gemeinwesen dürfte man wohl verlangen, daß ein solcher Masterplan erst einmal öffentlich diskutiert würde.

Wenn man die gültige Kieler Gartenordnung liest, findet man etwa unter Punkt 5, „Wege und Einfriedungen“, die Vorschrift: „Einfriedungen der Parzellen zu den Wegen und sonstigen Vereinsflächen: Es soll ein 1m hoher Maschendrahtzaun errichtet werden, der vom Weg her durch eine Hecke oder frei wachsende Blütensträucher verdeckt wird. Die maximale Heckenhöhe beträgt 1,20m mit einem Grenzabstand von 0,70m.

Man wird nicht viele Parzellen finden, die exakt diese Vorschrift einhalten, insbesondere in älteren Anlagen. Je nachdem, wie pingelig man die Vorschrift auslegt, wird man keine einzige Parzelle finden. Vielleicht ist die Hecke an manchen Stellen ja nur 0,65m von der Grenze entfernt? Wer jetzt die Mentalität eines Unteroffiziers beim Stubendurchgang hat, könnte leicht ein regelrechtes Massaker im Kieler Kleingartenwesen anrichten, nach dem Motto: Sie haben Vorschrift XY nicht exakt befolgt, beheben Sie das in den nächsten 5 Tagen, sonst erfolgt Kündigung! Wegtreten! Es wird übrigens berichtet, daß es teilweise die Vorstandsmitglieder der Vereine sind, die die Aufgabe übernommen haben, Pächter in dieser Form zu behandeln.

Es ist ja nichts Neues, daß wir Deutschen eine besonders innige Beziehung zu allen Regeln und Vorschriften haben, das zeigt sich auch in manchen Leser-Kommentaren auf den oben zitierten KN-Artikel, so etwa, wenn der Leser mit dem (passenden) User-Namen „blabla“ schreibt, „Gärtner, hört auf zu meckern und haltet euch endlich an die Regeln“. So einfach ist die Welt.

Niemand bestreitet, daß es notwendig ist, eine Gartenordnung aufzustellen, sonst würden sich Kleingartenanlagen innerhalb einiger Jahre in etwas völlig anderes verwandeln. Aber es ist doch offensichtlich, daß die meisten Bestimmungen (insbesondere die Zahlenangaben) nur Richtwerte sein können. Der Text der Kieler Gartenordnung sollte in solcher Weise ergänzt werden, daß dies klar gestellt wird. Ökologisch fragwürdige oder schädliche Maßnahmen dürfen nicht verlangt werden. Es muß eine öffentliche Diskussion darüber stattfinden, welche Regeln wir uns sinnvollerweise für unsere Kleingärten auferlegen wollen. Regeln sind kein Selbstzweck, sondern müssen gerechtfertigt werden. Auch ein Zahlenwert wie 1,20m ist nicht gottgegeben. Andere deutsche Städte gestatten durchaus höhere Hecken, ohne daß es zu katastrophalen Folgen käme.

Vor allem aber muß die Landesmöbelhauptstadt Kiel endlich erklären, wie sie sich die Zukunft der Kieler Kleingartenanlagen vorstellt. Es gibt zu dem Thema doch seit einigen Jahren ein wundervolles „Kleingartenentwicklungskonzept“, erstellt von Profis, finanziert mit Steuergeldern. Das heimliche allmähliche Zerstören des Kleingartenwesens mittels Vergraulen und Schikanieren der Pächter und der Vereine muß endlich aufhören.

Sommerbilder 2018

Das Jahr 2018 war und ist ein schwieriges Jahr für Parzelle 556, aber dennoch soll auf die Tradition nicht verzichtet werden, auf diesem Blog eine Anzahl von Sommerbildern zu veröffentlichen, die den derzeitigen Zustand dieses Garten einfangen.

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Das Tor von Parzelle 556: ein Teil des Plattenweges ist noch vorhanden; und die Fußmatte.

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Blick in östlicher Richtung: die ursprünglich zur Linken gelegenen Beete hat im Dezember der Bagger verwüstet. Das Beet in der Mitte, vor dem Apfelbaum, hat überlebt, jedoch konnte dort dieses Jahr wegen der langanhaltenden Dürre nichts ausgesät werden. Vorne links ein Teil der archäologischen Ausgrabung von „Prunarslagshejm“.

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Die Dürre vom Mai bis in den August hat tiefe Trocknungsrisse im Boden hinterlassen. Weder hat es in nennenswertem Ausmaß geregnet, noch sind Wassertonnen oder eine funktionierende Wasserversorgung vorhanden.

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Nur gelegentlich blühen Wildpflanzen in diesem Sommer, der Dürre trotzend.

Das Bild verdeutlicht auch die Nachteile einer billigen Digitalkamera: Man hat nur wenig Einfluß darauf, worauf die Kamera fokussiert: in diesem Fall leider auf den Hintergrund statt auf die Pflanze im Vordergrund.

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Während der Sommermonate haben Baumaschinen ihr Zerstörungswerk fortgesetzt und bis an die Grenze von Parzelle 556 eine Mondlandschaft mit Trümmerbergen hinterlassen.

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Nochmal: Mondlandschaft mit Trümmerbergen, davor blühende Goldrute.

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Der alte Zwetschgenbaum von Parzelle 556

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Totholz ist ökologisch wertvoll

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Bitte nicht betreten oder plündern.

 

Epilog

Parzelle 556 war zunächst ein Projekt der Bewegung für den Erhalt der Kleingärten auf dem Prüner Schlag, welche sich ab 2011 bildete, als Reaktion auf die Ankündigung, dieses Grüngelände für ein „Möbelmarktzentrum“ opfern zu wollen. Vereinzelt waren auch andere Parzellen von Aktivisten gepachtet worden, die dadurch einen Beitrag zum Erhalt des Geländes zu leisten hofften.

Diese bestimmte Parzelle hatte nicht ohne Grund leer gestanden, es gab dort keine vernünftige Laube und keinerlei Beete, dafür massenhaft Brennesseln, Löwenzahn, Giersch und Quecke. Anfangs ging ich davon aus, pro Monat vielleicht nicht mehr als eine halbe Stunde im Garten zu sein; aber dann ergriff mich und meine Familie die Magie des Lebens und der Natur, und wir begannen, die verwahrloste Parzelle allmählich zu kultivieren. Dieses Stückchen Land wuchs uns ans Herz, wir veränderten es, und es veränderte uns.

Nur wenige Monate nach Beginn dieses Pachtverhältnisses begann die große Kapitulationswelle der anderen Pächter, beflügelt von großzügigen Geld-Angeboten (sowie subtilen Drohungen) seitens des Investors; etwa ein Jahr später weigerten sich nur noch 3 von 317 Pächtern, ihre Pachtverträge selbst zu kündigen. Selbst die Vertreter des Investors staunten darüber, wie wenig Gegenwehr diese Personengruppe gegen die Auflösung ihrer Kleingartenanlage aufbrachte. Parzelle 556 aber blieb verpachtet und bewirtschaftet, auch als Anfang 2014 eine Armada an Baggern ein Drittel der Parzellen zerstörte (wodurch die Parzelle wochenlang fast komplett unter Wasser gesetzt wurde), auch als wenig später der Bürgerentscheid knapp verloren wurde, und auch als danach das verlassene Gelände jahrelang sich selbst (sowie den Plünderern und Vandalen) überlassen wurde.

Erst seit dem Dezember 2017 ist ein legaler Fortbestand dieser letzten Parzelle der Anlage nun rechtlich nicht mehr möglich; durch geschicktes Taktieren hätte ich die Zerstörung des Gartens vielleicht um einige Wochen verzögern können, aber es hätte keinen Weg gegeben, den Garten heil durch diesen Winter zu bringen. Ich hatte eigentlich die Absicht, die formelle Aufgabe des Gartens an die Bedingung zu knüpfen, daß die Gegenseite zunächst der Bewegung für den Erhalt des Prüner Schlages (zu deren Sprecher ich mich in diesem Moment selbst ernannte) akzeptable Kompromisse anbieten müsse, so wie ich es bereits in meinem Brief von Anfang September formuliert hatte (hier zu finden). Dieser allerdings war in Berlin anscheinend in der Ablage Rundordner entsorgt worden und folglich dem in Bad Segeberg ansässigen Unternehmen M.K. gar nicht bekannt; als dieses schließlich doch noch Notiz von dem Schreiben nahm und mir ein persönliches Gespräch anbot (ich werde in einem anderen Artikel über dieses Gespräch berichten), hatte man die Parzelle bereits schleunigst zerstören lassen.

Wenn ich jetzt noch einmal lese, was ich eben geschrieben habe, stelle ich fest, daß das eigentlich nicht stimmt. Die Wahrheit ist, daß ich nie die Absicht hatte, meinen Garten
aufzugeben, egal was die Gegenleistung gewesen wäre. Zu einem eigenen Garten baut man im Laufe einiger Jahre eine Beziehung auf wie zu einem eigenen Kind, wie könnte man den freiwillig aufgeben? Insofern ging es mir in den Verhandlungen mit den Abgesandten des Unternehmens M.K. wohl eher um Verzögerung (etwa durch die Frage, ob ich den Garten in den Jahren 2018 und 2019 nicht doch weiter betreiben dürfe, da doch erst 2020 gebaut werden soll); aber der Versuch scheiterte auf ganzer Linie. Infolgedessen wurde mir der Garten ohne Übergabetermin und überhaupt ohne jegliche formelle Vereinbarung fortgenommen, und das ist eigentlich auch nur konsequent. So brauche ich nun nicht gute Miene zum bösen Spiel zu machen, und M.K. kann nicht behaupten, sich auch mit dem letzten Pächter „einvernehmlich“ geeinigt zu haben. Ich habe kein Dokument unterschrieben, durch das ich formell auf meinen Garten verzichten würde, und ich habe keinerlei Entschädigungszahlungen angenommen.

Ich halte meinen Anspruch auf meinen Garten also aufrecht, und ich meine, die Kieler Bevölkerung (oder zumindest die Bevölkerung der angrenzenden Stadtteile) sollte in gleicher Weise einen Anspruch auf dieses gesamte Grüngelände aufrecht halten. Es ist keineswegs sicher, daß dieses „Möbelmarktzentrum“ tatsächlich gebaut werden wird. Es sollte mich nicht wundern, wenn das Projekt nach der Kommunalwahl vom Mai 2018 plötzlich kollabiert, so wie es diversen anderen Projekten desselben Investors auch widerfahren ist. Und falls es doch gebaut wird, so wird es sich früher oder später als unrentabel herausstellen und scheitern, und es wird wieder geschlossen werden und verfallen. Das gesamte auf künstlich erzeugtem Wachstum von Wirtschaft und Konsum basierende Wirtschaftsmodell wird scheitern, so hat es der Club of Rome bereits 1972 in seiner berühmten Studie The Limits To Growth vorausberechnet.

Dann wird Parzelle 556 wieder hergestellt werden. Ich bin fest davon überzeugt, daß es geschehen wird, und daß ich es erleben werde. Ich werde meinen Garten wieder aufbauen.

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Zumindest symbolisch hat der Wiederaufbau begonnen: Der Torbogen von Parzelle 556 ist wieder aufgerichtet.

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Diese „Insel“ ist alles, was von den vormals ausgedehnten Erdbeer-Beeten geblieben ist.

Untergang

Auch im Winter bemühe ich mich, an jedem Wochenende zumindest einmal kurz den Garten zu besuchen, um nach dem rechten zu sehen; da ich dies am 9./10. Dezember 2017 aber versäumt hatte, holte ich es am Dienstag darauf in der Mittagszeit nach.

Ich fand den Garten im Wesentlichen so vor, wie es gemäß der Jahreszeit zu erwarten war: Schneematsch und viel Wasser. In der Erde könnte ich jetzt gar nicht arbeiten, dachte ich. In einigem Abstand rumorte ein Bagger.

Die Tür der Laube stand offen – seit die ursprüngliche Tür entwendet wurde, dient eine andere als Ersatz, die ich aber nur provisorisch vor den Eingang stelle, ich muß sie mal richtig einbauen. In der Laube staunte ich wieder mal über die Mengen an Sand und Erde, die mein Untermieter (eine Ratte) zwischen den Bodenplatten emporgedrückt hatte. Ich verließ die Laube und stellte die Tür an ihren Platz.

Der Bagger stand jetzt auf dem Weg vor der Nachbarparzelle, der Motor war abgestellt. Ich warf einen abschließenden Blick auf den Garten und wandte mich zum Gehen – die Arbeit rief. Als ich das Tor verschlossen hatte, hörte ich, wie hinter mir der Bagger wieder zum Leben erwachte. Ich wandte mich kurz um, um zu sehen, was er vorhatte.

Der Bagger fuhr ein Stück auf die Nachbarparzelle. Dort lagen die Reste einer einst stattlichen Laube, die schon vor Jahren durch Gewalteinwirkung in einen Trümmerhaufen verwandelt worden war. Der Bagger beschäftigte sich jedoch nicht mit diesem Trümmerhaufen. Stattdessen begann er, die Weißdornbüsche herauszureißen, die die Hecke meiner Parzelle bilden. Er zupfte sie wie mit einer riesigen Pinzette heraus, es schien ganz leicht zu gehen. Er wird doch wohl nicht …?

Doch, er wird. Nachdem er auf 2-3 Metern die Hecke zerstört hatte, rumpelte der Bagger in meine Parzelle hinein, quer über den Rasen, bis er den Plattenweg erreichte, drehte dort ein Stück und nahm Kurs auf die Laube.

Es war mir klar, was dies bedeutete. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Ich hätte mir ein Beispiel an Arthur Dent nehmen und mich vor den Bagger in den Matsch werfen sollen, aber ich war wie gelähmt. Dann wandte ich mich ab und ging rasch fort. Dieses Schauspiel wollte ich mir nicht freiwillig ansehen.

Offenbar hatte ich mich gerade endgültig von meinem Garten verabschiedet, ohne daß mir dies bewußt gewesen wäre. Es hatte ja noch nicht einmal eine offizielle Übergabe der Parzelle stattgefunden (seit einigen Tagen stand ich in dieser Angelegenheit im E-Mail-Kontakt mit den Vertretern des Investors).

Abends nach der Arbeit kehrte ich noch einmal zurück. Trotz der Dunkelheit konnte ich erkennen, daß fast die gesamte Fläche der Parzelle von Baggerspuren zerfurcht war. Der Torbogen war zerstört, das Tor über die Reste der Hecke in die Nachbarparzelle geworfen – die Kette mit dem Vorhängeschloß hing noch dran. Laube und Plattenweg waren verschwunden. An der Stelle, wo die Laube gestanden hatte, lag die Ratte, mit abgerissenem Kopf. Hatte sie versucht, Ihr Zuhause zu verteidigen?

Natürlich hatte ich damit rechnen müssen, daß das geschehen würde, trotzdem hat es mich kalt erwischt. Daß sie ohne vorherige Übergabe abreißen würden, hatte ich nicht erwartet – ansonsten hatten sie immer solchen Wert auf Korrektheit gelegt. Als ich einige Tage später im Container-Büro mit zwei Vertretern des Investors sprach, wurde mir erklärt, es habe sich wohl um ein Mißverständnis gehandelt. Man sei davon ausgegangen, daß ich mit dem Abriß einverstanden sei.

Das Mißverständnis kam dadurch zustande, daß ich in einer E-Mail gefragt hatte, ob ich 2018 und 2019 die Parzelle weiter betreiben könne, da in der Zeitung gemeldet worden war, daß erst im Jahr 2020 gebaut werden solle (das Ansinnen wurde abgelehnt). Als Gegenleistung hatte ich angeboten, daß die Laube schon jetzt abgerissen werden könne (sie war ja tatsächlich sehr baufällig); von der Verwüstung der gesamten Parzelle war allerdings nicht die Rede gewesen.

Für fast 6 Jahre hat dieser Garten mein, und meiner Familie, Leben begleitet. Er war ein Teil meiner Identität geworden. Diese Lebensphase ist jetzt zu Ende gegangen.

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Parzelle 556 am 17.12.2017 (Blick nach Westen): die beiden Bäume (vorne rechts Pflaume, hinten Apfel) sind stehengeblieben; da die Parzelle nicht auf der eigentlichen Baufläche liegt, dürfen sie nicht gefällt werden. Es fällt auf, daß in den benachbarten Parzellen noch keine Lauben abgerissen wurden, obwohl diese Parzellen schon seit Jahren aufgegeben sind; anscheinend war der Bagger eigens für meine Parzelle geschickt worden.

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Parzelle 556 am 17.12.2017 (Blick nach Osten): die Laube stand rechts, ihre Trümmer sind noch hinter der Hecke zu sehen, wohin sie der Bagger geworfen hat. Vorne rechts ein herausgerissener kleinerer Pflaumenbaum; er war offenbar dem Bagger im Weg, als er den Zaun abreißen wollte.

Antwort auf das Schreiben vom Januar 2017 bezüglich Kündigung der Nutzung von Parzelle 556

Sehr geehrte Frau X,
sehr geehrter Herr Dr. Y,

ich habe Ihr Schreiben vom 27.1.2017 bezüglich Kündigung und Herausgabe meiner Kleingartenparzelle auf dem Prüner Schlag in Kiel erhalten. Ich bitte um Entschuldigung dafür, daß ich erst jetzt darauf antworte.

Mir ist der planungsrechtliche Status des fraglichen Geländes bekannt. Insofern bin ich grundsätzlich zur Kooperation in Bezug auf die Herausgabe meiner Parzelle bereit (vorausgesetzt, daß das Bauprojekt nun tatsächlich auf dem Gelände umgesetzt werden wird und es nicht zu weiterem jahrelangen Stillstand kommt). Andererseits würde ich es angesichts der besonderen Umstände in diesem Fall für angemessen halten, wenn auch auf Ihrer Seite eine Bereitschaft zu einem gewissen Entgegenkommen bestünde.

Dabei geht es mir in erster Linie gar nicht um diese spezielle Parzelle, sondern um den größeren Kontext. Wie Ihnen bekannt sein wird, war und ist die Ansiedlung zweier Möbelhäuser auf diesem Gelände in der Kieler Bevölkerung sehr umstritten. Die Umwandlung von Kleingartenanlagen in Gewerbeflächen läuft im 21. Jahrhundert nicht mehr so unproblematisch und reibungsarm ab, wie es noch in den 1960/1970er Jahren der Fall war. Die öffentliche Wahrnehmung ökologischer, aber auch sozialer Aspekte ist heute weitaus stärker ausgeprägt, was sich beispielsweise darin ausdrückt, daß Phänomene wie das „Bienensterben“ vielen Menschen bekannt sind und als sehr ernste Probleme wahrgenommen werden. Es muß mit Nachdruck betont werden, daß viele Kritiker des Ansiedlungsprojektes nicht gegen die Ansiedlung als solche waren, sondern nur gegen den Standort.

Hinzu kommen in diesem Fall erhebliche Defizite in der öffentlichen Kommunikation und der Einbindung der Bevölkerung. Bei Bauprojekten dieser Größenordnung genügt es heutzutage nicht mehr, die Mehrheit in der Ratsversammlung auf seiner Seite zu haben, sondern man muß der Bevölkerung auch außerhalb der Kommunalwahlen ernstgemeinte Mitsprachemöglichkeiten einräumen. Die Hast, mit der das Projekt 2011/2012 in den Gremien abgenickt wurde, und mit der das Gelände 2012 verkauft wurde, wurde von vielen Bürgern als Versuch empfunden, eine öffentliche Diskussion um die zukünftige Nutzung des Geländes zu verhindern.

Aus diesen und weiteren Gründen wäre das Ansiedlungsprojekt beim Bürgerentscheid vom März 2014, den die Kritiker und Gegner des Projektes schließlich herbeigeführt hatten, beinahe gescheitert: über 42000 Wähler sprachen sich gegen die Ansiedlung aus (hinzu wäre noch eine unbekannte Anzahl von Bürgern in den Nachbarkommunen zu zählen, die nicht wahlberechtigt waren). Um diese Zahl an Wählerstimmen angemessen einzuschätzen, muß erwähnt werden, daß bei den Kommunalwahlen 2013 die damaligen Kieler Regierungsparteien SPD/Grüne/SSW insgesamt nur etwa 40500 Stimmen erhielten. Es handelt sich bei denjenigen Bürgern, die dem Projekt ablehnend gegenüberstehen, also keineswegs nur um „Randgruppen“ der Bevölkerung.

Schließlich wurde noch der Abriß von etwa einem Drittel der leer stehenden Kleingärten zu einem Zeitpunkt noch vor dem Termin des Bürgerentscheids von vielen Bürgern als eklatanter Verstoß gegen die Gebote politischer Fairness empfunden.

Insgesamt ergibt sich als Ergebnis dieser Vorgeschichte, daß das Ansiedlungsprojekt unter einem ungünstigen Stern steht, und daß das Ansehen der Marke „Möbel-Kraft“ in der Kieler Bevölkerung als erheblich beschädigt angesehen werden muß. Es ist mir unbegreiflich, daß zu keinem Zeitpunkt (selbst nicht nach dem knappen Ergebnis des Bürgerentscheides) ein Versuch unternommen worden ist, konstruktive Gespräche mit den Kritikern des Ansiedlungsprojektes aufzunehmen. Der frisch gewählte Oberbürgermeister sprach unbestimmt davon, den Kritikern in Einzelpunkten entgegenkommen zu wollen, geschehen ist in dieser Hinsicht aber gar nichts. Es wäre ein Gebot politischer Klugheit gewesen, sich um einen fairen Kompromiß zu bemühen, den auch diejenigen Bürger, die sich für den Erhalt der Kleingartenanlage eingesetzt hatten, als akzeptables Ergebnis ihres Engagements ansehen würden.

Ich würde Ihnen daher empfehlen, sorgfältig zu prüfen, ob Sie Maßnahmen ergreifen können, die die Bevölkerung als Entgegenkommen und Kompromißangebot den Kritikern und Gegnern des Ansiedlungsprojektes gegenüber auffassen würde. Von einer solchen öffentlichkeitswirksamen Initiative würde auch das Ansehen Ihres Unternehmens profitieren, was wiederum zu besseren Umsätzen führen könnte. Wie schon erwähnt, wäre die Ansiedlung Ihrer Möbelhäuser in Kiel an und für sich kein Anlaß zu Kritik und Ablehnung gewesen, wenn nicht gerade dieser sensible Standort gewählt worden wäre.

An konstruktiven Kompromißvorschlägen hat es in den vergangenen Jahren im Verlauf des Bauleitplanverfahrens nicht gefehlt. Es wurde vorgeschlagen, Flächenverbrauch und Bodenversiegelung maßvoll zu reduzieren, beispielsweise indem für Parkplätze ein Tiefparterre-Geschoß vorgesehen würde. Es wurde ferner gefragt, ob man nicht Baukörper und Parkplätze in solcher Weise anordnen könnte, daß die Ausgleichsflächen nicht in dem Maße zerrissen werden, wie es im gegenwärtigen Entwurf geschieht, beispielsweise indem die Hauptgebäude nach Osten verlagern und etwas rotiert werden, so daß im Westen eine große zusammenhängende Naturfläche entstünde.

Diese Vorschläge werden Ihnen vermutlich als zu aufwendig erscheinen. Aber auch kleinere Maßnahmen könnten als positives Zeichen der Bereitschaft zum Entgegenkommen wirken. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß es gerade der Verlust einer großen Grünfläche im öffentlichen Besitz war, der zu intensiver Kritik führte. Wenn kleinere Randbereiche der Gesamtfläche in der einen oder anderen Form an die Bevölkerung zurückgegeben würden, beispielsweise um dort einige Gärten wiederherzustellen, wäre dies zumindest ein Achtungserfolg für die Kritiker, ohne daß das Ansiedlungsprojekt als solches dadurch beeinträchtigt wäre. Die Bevölkerung der angrenzenden Stadtteile würde einen Teil ihrer wohnortnahen Grünflächen zurückerhalten; in diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß der ursprüngliche Ratsbeschluß von 2011 vorsah, daß die Gärten im westlichen Drittel des Geländes erhalten bleiben. Hingegen sind Fassadenbegrünung oder Dachbepflanzung in diesem Sinne KEINE ausreichenden Maßnahmen, um bei der Bevölkerung als positives Zeichen zu wirken.

Andere denkbare kleinere Maßnahmen könnten in der Unterstützung der noch bestehenden Kleingartenanlagen in der Nähe der Baufläche bestehen, etwa im Zusammenhang mit der Sanierung verlassener Parzellen; allerdings würde bei solchen Maßnahmen der unmittelbare Bezug zur eigentlichen Fläche fehlen, um die sich der Konflikt drehte.

In diesem Zusammenhang wäre schließlich noch die zeitweilige Besetzung eines Teils der Ausgleichsfläche durch eine Wagengruppe („Prüner Schlagloch“) im Mai dieses Jahres zu erwähnen. Auch die dauerhafte Gewährung eines Wagenplatzes für eine solche Gruppe – natürlich abgesichert durch einen Pachtvertrag – würde in der Kieler Öffentlichkeit einen positiven Eindruck bewirken.

Ich sehe Ihrer Antwort auf meine Vorschläge gespannt entgegen.
MfG …

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Parzelle 556 Anfang Oktober 2017: die unwirkliche Schönheit des Herbst

Sommerbilder 2017

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Ringelblumen; links: Wilde Karde

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Dieses Jahr bin ich wirklich stolz auf meine Sonnenblumen

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ひまわり

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Die Hummeln lieben die Wilden Karden

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noch mehr Wilde Karden

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blühender Fenchel

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koreanischer Anisysop, rechts Nachtkerze, dahinter Kartoffelbeet

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Königskerze

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Erdbeerbeet mit Hornveilchen

Besonderer Dank an UK und SB für Beiträge zu dieser Seite.

Nomaden im Prüner Schlag

Im Mai dieses Jahres bekam der einsame Pächter von Parzelle 556 für einige Wochen Gesellschaft, und zwar in Gestalt der Wagengruppe „Prüner Schlagloch, welche ein Areal ganz in der Nähe von Parzelle 556 besetzt hatte (etwa den ursprünglichen Parzellen 516-519 entsprechend). Allerdings hat der Eigentümer des Geländes nach wenigen Wochen die Wagengruppe wieder vertrieben, worauf sie auf den unbefestigten Parkstreifen entlang des Hasseldieksdammer Weges umzog; und auch dort wurde sie rasch vertrieben, diesmal durch das Kieler Ordnungsamt.

Es wird wohl niemand ernstlich geglaubt haben, daß diese kurzzeitige Besetzung an dem Schicksal der ehemaligen Kleingartenanlage etwas würde ändern können. Einigermaßen erstaunt bin ich aber doch über das Ausmaß der Aggressivität, die diese eher belanglose Episode bei einigen Lesern der „Kieler Nachrichten ausgelöst hat. So schreibt ein Leser namens „Limonade im Online-Forum, bei den Mitgliedern der Gruppe handele es sich um „Kriminelle“, deren Fahrzeuge man „beschlagnahmen und zerstören solle; und der Leser „Hauke Haien zürnt über die „Wanderchaoten, die (…) in der Regel von unseren Steuergeldern leben.

Unsere Gesellschaft betrachtet bestimmte Konzepte als fundamental, so etwa die Seßhaftigkeit oder die Möglichkeit, Privatbesitz an Grund und Boden zu erwerben. Diese Konzepte werden nicht hinterfragt, obwohl sie bei anderen Völkern und zu anderen Zeiten keine Gültigkeit hatten, bzw. haben. In ihrer ursprünglichen Lebensweise waren wohl fast alle Menschen Nomaden, und das Land gehörte niemandem, bzw. allen. Manche wurden dann seßhaft, andere nicht. Aber die Seßhaften vermochten es, allmählich Raum und Zeit zu parzellieren und in Güter zu verwandeln, an denen man exklusives Eigentum erwerben kann, wenn man es geschickt anstellt. Das Hilfsmittel, mit dem man die Zeit anderer Menschen in Besitz nimmt, heißt übrigens „Geld, ich werde gleich darauf zurückkommen. Als Folge wurde die nomadische Lebensweise zunehmend erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht, da die Nutzung von Raum und Zeit durch unzählige Regeln, Bedingungen und „alternativlose Sachzwänge immer weiter eingeschränkt wurde; aber die menschliche Kreativität findet bekanntlich immer Auswege.

Schwerwiegender aber ist, daß die Gesellschaft der Seßhaften schon bald begonnen hat, abweichende Lebensweisen als falsch, verkehrt, unanständig, … eben „kriminell zu verurteilen. Wer nicht nach unseren Regeln, Bedingungen und Sachzwängen lebt, drückt dadurch ja implizit aus, daß man auch anders leben könnte und daß unsere Lebensweise also vielleicht gar nicht die allein richtige und seligmachende wäre. So etwas wollen wir nicht hören und dulden. Und so haben wir unsere Lebensweise in Gesetze gegossen, durch die eine abweichende Lebensweise rasch zum Verbrechen, zum crimen, erklärt wird.

Und so ist es also, um beim Thema zu bleiben, verboten worden, sich irgendwo mit einem Bauwagen hinzustellen und darin zu wohnen, selbst wenn es keinen konkret stört. Ein Grenzfall stellen höchstens noch Wohnmobile auf Campingplätzen dar. Strenggenommen darf man auch in denen nicht dauerhaft wohnen, aber wer es doch tut, kann damit unter Umständen jahrelang durchkommen. Man bewegt sich ja sozusagen in einer „Grauzone, schließlich zahlt man Geld für die Nutzung eines offiziell zugelassenen Campingplatzes. Und wer bezahlt, akzeptiert damit gewissermaßen die herrschende Wirtschafts- und Rechtsordnung.

Der KN-Leser „Limonade schreibt weiterhin, die Besetzer hätten „kein Recht auf einen Stellplatz (sie können einen mieten oder kaufen – Punkt!). Und auch „Hauke Haien macht sich Sorgen um „unsere Steuergelder. Damit wird die Ursache dieser zuvor erwähnten Aggressivität erkennbar: Wir seßhaften Normalbürger müssen für alles und jedes bezahlen, und um dazu imstande zu sein, müssen wir womöglich einen Großteil unserer Lebenszeit für einen ungeliebten Job opfern – und dann sollen es alle anderen Menschen gefälligst genauso schlecht haben wie wir selbst. Dieses Bewertungsmotiv entspricht aus psychologischer Sicht also der Mißgunst, bzw. dem Neid, oder aus christlicher Sicht der „invidia, einer der sieben Todsünden.

Neid und Mißgunst liegen natürlich dem Eigentümer des Geländes wie auch der Stadtverwaltung ganz fern, sie setzen nur geltendes Recht um; aber das wird Herrn oder Frau „Limonadenicht davor schützen, weiterhin Tag für Tag einen verhaßten Job verrichten zu müssen, und folglich wird er oder sie auch weiterhin übellaunig reagieren, wenn andere Menschen andere Lebensmodelle suchen und finden. Und der Pächter von Parzelle 556 wird wiederum in Einsamkeit und Abgeschiedenheit seinen Garten pflegen, bis zu dem Stichtag Ende November, zu dem kraft geltenden Rechtes auch die letzte legal verpachtete Parzelle des Geländes eingezogen werden wird.

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Parzelle 556 Ende Mai 2017: nach Einsatz eines Rasenmähers sieht es gleich viel ordentlicher aus.

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die Lilien blühen

Wozu eigentlich Kleingärten, im 21. Jahrhundert?

Anläßlich der intensiven Abrißtätigkeit, die seit Ende Januar 2017 auf Teilen der Kleingartenanlage Prüner Schlag 10-18 stattfindet, ist es in den sozialen Netzwerken erneut zu Diskussionen zu dem Thema gekommen, ob und warum Kieler Grünanlagen in Möbelzentren umgewandelt werden müssen. In einer solchen Diskussion fand ich den folgenden Beitrag:

Man kann ja auch mal die Frage stellen, ob es noch zeitgemäß ist, Kleingärten in diesem Umfang vorzuhalten. Ursprünglich wurden diese Gärten doch für die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse für sozial schwache Schichten geschaffen, wenn ich mich nicht irre. Das spielt doch heute, wo fast das ganze Jahr über frisches Gemüse und Obst für jeden erschwinglich in guter Qualität zu bekommen ist, keine relevante Rolle mehr.

Ich möchte auf diesen Beitrag kurz eingehen. Spontan fallen mir zwei Punkte in der Argumentation auf, denen ich widersprechen möchte.

Zum Ersten werden nach meinem Verständnis Kleingärten (oder auch andere Gärten, oder Grünanlagen) nicht vorgehalten. Vielmehr sind sie da, sie existieren, als kleine oder weniger kleine, als naturbelassene oder weniger naturbelassene Biotope. Ich existiere ja auch, Nachbars Katze existiert, und so weiter. Lebewesen haben ein Recht darauf, einfach zu existieren, ohne Rechtfertigung durch einen Zweck, und ich meine, daß dieses Recht auch für Gärten gilt, da es sich bei diesen ja auch um Ansammlungen von Lebewesen handelt. Man kann also Kleingärten nicht vorhalten, so wie man vielleicht Parkplätze am Bahnhof vorhalten würde. Wenn man ihrer Existenz aus irgendwelchen Erwägungen heraus ein Ende setzt, ist das ein fundamental anderer Vorgang, als wenn man, sagen wir, auf einem Parkplatz einen Möbelladen baut. Albert Schweitzer würde an dieser Stelle zur Ehrfurcht vor dem Leben mahnen.

Zum Zweiten gibt es heute in zunehmender Zahl Menschen, die durchaus bestreiten würden, daß heute fast das ganze Jahr über frisches Gemüse und Obst für jeden erschwinglich in guter Qualität zu bekommen sei. Zwar trifft es zu, daß man heute – vielleicht sollte ich vorsichtiger sagen: zur Zeit – auch ohne einen eigenen Garten nicht mehr zu hungern braucht. Auch der Hartz-4-Empfänger kann sich zumindest etwas Gemüse von ALDI leisten. Aber nicht jeder, der aus Lohnarbeit und anderen Bezügen herausgefallen ist, aus welchen Gründen auch immer, ist bereit, sich der oft demütigenden Hartz-4-Bürokratie zu unterwerfen. Und ebenso ist nicht jeder bereit, für seine Ernährung überwiegend oder ausschließlich auf Billig-Produkte aus den Supermärkten angewiesen zu sein.

Gerade der letztere Aspekt gewinnt zunehmend an Bedeutung, auch bei Menschen mit gesichertem Einkommen. Durch ständig neue Lebensmittelskandale hat das Vertrauen in mit industriellen Methoden erzeugte Lebensmittel zunehmend Schaden genommen; viele Menschen wollen mit eigenen Augen sehen, wo und wie ihr Obst und Gemüse angebaut wird. Dies führt zu einer Renaissance der Wochenmärkte; noch konsequenter (und kostengünstiger) ist es aber, selbst anzubauen. Daß es dabei wohl kaum gelingen wird, vollständig autark zu werden, stellt diese Entwicklung nicht in Frage – man muß ja nicht gleich von einem Extrem ins andere springen.

Auch in den reichen Ländern, und auch im 21. Jahrhundert, werden Kleingärten gebraucht, nicht etwa um Hungersnöte abzuwenden (obwohl auch dieser Fall wieder eintreten kann, vielleicht schneller, als wir es uns vorzustellen vermögen), sondern um den Menschen einen Teil der Selbstbestimmung über ihre eigene Ernährung zurückzugeben, welche uns im Zuge der technologischen Allmachtsphantasien des 20. Jahrhunderts abhanden gekommen ist. Und noch etwas: Zwar haben wir uns daran gewöhnt, daß ständig Lebensmittel über tausende von Kilometern transportiert werden, da, dank des Erdöls, die Transportkosten niedrig sind; aber das Öl wird mittelfristig zur Neige gehen, trotz aller Versuche, neue Ölvorkommen zu erschließen. Es wäre nur vernünftig, schon heute die food miles zu reduzieren, wo immer wir können.MINOLTA DIGITAL CAMERA

Parzelle 556 im März 2017, Blick nach Süden: Die Osterglocken blühen, im Hintergrund vom Gartenabwrackkommando aufgetürmte Bäume und Gehölze

So kündigt man korrekt ein Kleingartenpachtverhältnis

Schönefeld, 27.01.2017

Kündigung Nutzung Parzelle 556, ehem. Kleingartenanlage „Prüner Schlag”, Kiel (Flurstück 136, Flur 15, Gemarkung Kiel-J)

Sehr geehrter Herr X,

hiermit kündigen wir vorsorglich erneut (unsere Kündigung vom 30.01.2015 halten wir aufrecht) das bestehende Pachtverhältnis über die kleingärtnerische Nutzung der Parzelle 556, ehem. Kleingartenanlage „Prüner Schlag”, Kiel (Flurstück 136, Flur 15, Gemarkung Kiel-J) ordentlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt, unserer Berechnung nach zum Ablauf des 30.11.2017 und fordern Sie auf, spätestens bis zu diesem Zeitpunkt das Pachtobjekt zu räumen und geräumt an uns herauszugeben.

Rechtsgrundlage der Kündigung bildet § 9 Absatz 1 Ziffer 5 in Verbindung mit § 9 Absatz 2 Ziffer 2 BKleingG.

Die Krieger Grundstück GmbH ist seit 25.11.2016 Eigentümerin der Liegenschaft. Auf den beigefügten Grundbuchauszug des Grundbuchs von Kiel, Amtsgericht Kiel Blatt 77993 vom 06.12.2016 nehmen wir Bezug. Ausweislich der Abreden des Kaufvertrags über die Liegenschaft zwischen der KIWI, Kieler Wirtschaftsförderung- und Strukturentwicklungsgesellschaft mbH und der Krieger Grundstück GmbH vom 23.03.2012 (UR-Nr. 191/2012, Notarin Eimers, Berlin) nebst Änderungsvereinbarung vom
13.07.2016 (UR-Nr. 257/2016, Notar Sieglerschmidt, Berlin) und Ergänzungsvertrag vom 13.07.2016 (UR-Nr. 258/2016, Notar Sieglerschmidt, Berlin) Ist die Krieger Grundstück GmbH in das vorgenannte Pachtverhältnis eingetreten und damit auch berechtigt, dessen Kündigung auszusprechen.

Im Hinblick auf die Voraussetzungen des § 9 Absatz 1 Ziffer 5 BKleingG ist folgendes auszuführen:

1. Festsetzung einer anderen Nutzung durch Bebauungsplan

Seit 20. August 2016 ist der die (ehemalige) kleingärtnerische Nutzung betreffende Bebauungsplan Nr. 988 „Prüner Schlag – Möbelmarktzentrum” rechtskräftig. Auf den anliegend beigefügten Auszug aus dem Bebauungsplan Nr. 988, sowie die öffentliche Bekanntmachung der Landeshauptstadt Kiel vom 19.08.2016 nehmen wir Bezug.
Die planungsrechtliche Festsetzung der betroffenen Liegenschaft lautet „Sondergebiet Einzelhandel Möbel”. Damit liegt eine im Bebauungsplan festgesetzte, andere Nutzung im Sinne des § 9 Absatz 1 Ziffer 5 BKleìngG vor.

2. Alsbaldige Vorbereitungen für die Nutzung nach Bebauungsplan

Auf der Liegenschaft sollen zwei Möbelhäuser errichtet und betrieben werden.
Zur Freimachung der Liegenschaft bedarf es inhaltlich umfangreicher Vorbereitungsarbeiten, die insbesondere einen erheblichen zeitlich Vorlauf haben und damit als „alsbald” im Sinne des § 9 Absatz 1 Ziffer 5 BKleingG zu qualifizieren sind, insbesondere, nachdem diese aus artenschutzrechtlichen Gründen nur jeweils im Zeitraum vom 01.12. bis 28.02. eines Jahres zulässig sind. Das erhebliche Volumen des Bauvorhabens und der damit einher gehenden Vorbereitungsarbeiten erfordert sowohl das Zeitfenster 2016/2017 wie auch 2017/2018, gefolgt von der auf mindestens sechs Monate im Jahre 2018 anzusetzenden Untersuchung Kampfmittel, um sodann unverzüglich mit den eigentlichen Baumaßnahmen beginnen und der gegenüber der Stadt Kiel nach den Abreden des Kaufvertrags vom 23.03.2012 übernommenen Pflicht, die Möbelhäuser tatsächlich zu betreiben entsprechen zu können.

Anlagen

  • Auszug aus dem Bebauungsplan Nr. 988
  • Bekanntmachung der Landeshauptstadt Kiel vom 19.08.2016
  • Grundbuchauszug des Grundbuchs von Kiel, Amtsgericht Kiel Blatt 77993 vom 06.12.2016

Freundliche Grüße

E.M.
Geschäftsführerin
Krieger Grundstück GmbH

Dr. S.R.
Prokurist
Krieger Grundstück GmbH

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Das Tor von Parzelle 556 im Februar 2017: Bäume und Hecken in den angrenzenden Parzellen sind bereits gerodet worden.