Höffner-Skandal: Kieler Stadtverwaltung verstrickt sich in Widersprüche

Gegen Ende Oktober 2020 begann eine Firma für Gartenbau damit, auf 6,2 Hektar ökologischer Ausgleichsfläche, gelegen neben der Baustelle des Möbelmarktzentrums „Höffner“ auf der ehemaligen Kleingartenanlage „Prüner Schlag“, mit schwerem Gerät fast sämtliche Vegetation abzumähen und niederzuwalzen. Seither stellen sich viele Menschen die Frage, wie dies geschehen konnte und warum die zuständigen Behörden es nicht verhindert haben.

In der „Gläsernen Akte“ (auf der Web-Seite der Stadt) ist zu erfahren, daß die Untere Naturschutzbehörde (UNB) am 9.November Kenntnis von diesen Vorgängen erlangte und am 11.November einen Ortstermin durchführte, der von 9 bis 13 Uhr dauerte. In der Antwort auf eine Einwohneranfrage heißt es dazu: „Zu diesem Zeitpunkt waren die unsachgemäßen Arbeiten bereits abgeschlossen.

Da dies nachweislich unzutreffend ist – die „unsachgemäßen Arbeiten” waren am 11.November noch in vollem Gange und dauerten mindestens bis zum 20.November an – , ergibt sich sofort:

FRAGE 1: Wie kann es sein, daß die Teilnehmer des Ortstermins bei einem Aufenthalt von 4 Stunden Dauer die auf dem Gelände tätigen Bagger (mindestens drei Stück) nicht bemerkten? Haben sie wirklich das gesamte Gelände in Augenschein genommen, oder sich doch eher nur mit den vom Westring bzw. Hasseldieksdammer Weg aus leicht einsehbaren Randbereichen begnügt?

Da aber nun festgestellt worden war, daß „unsachgemäße Arbeiten” stattgefunden hatten, wie reagierten die Vertreter der Verwaltung?

In der „Gläsernen Akte“ heißt es dazu: „Die Untere Naturschutzbehörde (hat) die Schäden in Augenschein genommen und am selben Tag Kontakt zur Bauleitung aufgenommen.“ (gemeint ist der 11.November 2020). Gemäß den „Kieler Nachrichten“ sagte Andreas von der Heydt, Leiter des Umweltschutzamtes, in der Bauausschußsitzung vom 25.März 2021, „natürlich habe die Verwaltung am 11.November unmittelbar verfügt, dass die illegalen Rodungen sofort eingestellt werden“.

Da die illegalen Rodungen aber mit unverminderter Intensität fortgesetzt wurden, ergibt sich:

FRAGE 2: An wen genau erging die Verfügung, die illegalen Rodungen sofort einzustellen, auf welchem Wege erging sie, und was genau war ihr Inhalt? Ist etwa mit der Formulierung „Kontakt zur Bauleitung“ ebendiese Verfügung gemeint? Dazu ist anzumerken, daß die Bauleitung im Wesentlichen nur mit den Arbeiten auf der eigentlichen Baustelle befaßt ist, während die Firma, die die illegalen Rodungen durchführte, nicht auf der Baustelle tätig war; die Verfügung hätte sie dann womöglich nicht oder nur mit Verspätung erreicht.

Der Ortstermin hatte also stattgefunden, und eine Verfügung, welchen Inhaltes auch immer, war ausgesprochen worden. Was geschah daraufhin?

Die „Gläserne Akte“ schreibt dazu: „Das Referat hat dann die weitere Aufarbeitung und den Ortstermin abgewartet wie es in solchen Fällen üblich ist. Die Faktenlage war zu diesem Zeitpunkt noch zu unklar für eine umfassende Information der Dezernentin. Am 20. November gab es einen erneuten Ortstermin mit den Beteiligten. Am 25. November (…) wurde die Dezernentin anhand der inzwischen besser aufbereiteten Faktenlage informiert”.

Daraus ergibt sich FRAGE 3: Wenn nach Meinung der UNB die illegale Rodung der Fläche am Tage des (ersten) Ortstermins schon „abgeschlossen” gewesen war, wieso wurde die „Faktenlage” trotzdem als „zu unklar” angesehen, um die Dezernentin, die Fraktionen und den Oberbürgermeister zu informieren? Welche Art von zusätzlicher „Aufbereitung” fand zwischen dem 11. und dem 25.November – immerhin volle 14 Tage! – statt?

Und ferner FRAGE 4: Wenn schon am 11.November eine Verfügung ausgesprochen wurde, wieso wurde ihre Einhaltung nicht kontrolliert? Gemäß „Gläserner Akte” vergingen wiederum volle 9 Tage bis zu einem weiteren Ortstermin. Bei diesem Ortstermin hätte dann doch auffallen müssen, daß die illegalen Rodungen entgegen der Verfügung fortgesetzt worden waren. Aber wieder vergingen weitere 5 Tage, bis die Dezernentin informiert wurde. Wie kann es sein, daß sie über einen Zeitraum von 14 Tagen keine Kenntnis von derart gravierenden Verstößen gegen einen Bebauungsplan, wie auch gegen eine Verfügung, hatte?

FAZIT: Es ist offensichtlich, daß die Darstellung, die die Verwaltung gibt, in wesentlichen Punkten nicht stimmen kann, und zwar selbst dann, wenn nach dem 11.November tatsächlich nur noch Schnittgut abgefahren worden wäre (wie von der Heydt im Bauausschuß behauptete). Hier werden entscheidende Aspekte vertuscht, bzw., hier wird die Öffentlichkeit getäuscht hinsichtlich der wahren Gründe, warum die Verwaltung die „illegalen Rodungen” nicht wenigstens ab dem 11. November verhindert hat.

Wir rufen die Verwaltung auf, endlich die ganze Wahrheit auf den Tisch zu legen. Bei einem derart kontroversen Ansiedlungsprojekt wie „Möbel-Höffner” ist dies unbedingt notwendig. Weitere Ausflüchte beschädigen das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Verwaltung nur noch weiter und führen zu unerquicklichen Spekulationen über die wahren Hintergründe.

OFFENER BRIEF an Frau Stadträtin Grondke

Sehr geehrte Frau Stadträtin Grondke,

wir beziehen uns auf Ihre Antwort auf die Einwohneranfrage von Frau Brüggemann, verlesen in der Kieler Ratsversammlung vom 18.3.2021, bezüglich der Ausgleichsflächen auf dem „Prüner Schlag“, im Zusammenhang mit der Baustelle „Möbel Höffner / Sconto“.

Sie schreiben in Ihrer Antwort, mit Bezug auf den Ortstermin am 11.11.2020: „Die Maßnahmen­flächen A1 bis A3 wurden vom Hasseldieksdammer Weg aus begangen. Die Bege­hung dauerte entsprechend mehrere Stunden. Zu diesem Zeitpunkt waren die unsachgemäßen Arbeiten bereits abgeschlossen. Das auf dem Gelände verbliebene Schnittgut sollte allerdings aus Artenschutz­grün­den zügig beseitigt und damit eine anschließende Besiedelung der Schnittguthaufen vermieden werden.”

Die Aussage „Zu diesem Zeitpunkt waren die unsachgemäßen Arbeiten bereits abgeschlossen” ist nach unserem Wissen unzutreffend. Uns vorliegende Photos, Videos und Augenzeugenberichte belegen, daß die „unsachgemäßen Arbeiten” am 11.11.2020 noch in vollem Gange waren. Es ist unerklärlich, wie die Teilnehmer des Ortstermins die in den Ausgleichsflächen tätigen Bagger (mindestens 3) nicht bemerken konnten.

Die „unsachgemäßen Arbeiten” wurden nachweislich mindestens bis zum 20.11.2020 fortgesetzt, und dabei handelte es sich ausdrücklich nicht nur um den Abtransport des Schnittguts, sondern um weitere Beseitigung der Vegetation durch schweres Gerät. Auf einem am 16.11.2020 aufgenom­menen Photo erkennt man zwei Bagger (einer davon eindeutig kein „Minibagger”), aber keine Container für Schnitt­gut. Am 19.11.2020 wurde dann erstmals ein Container dokumentiert (dennoch sind mehrere große Schnittguthaufen erst etwa Anfang Februar 2021 beseitigt worden).

Folglich hätte eine am 11.11.2020 ausgesprochene Aufforderung, die „unsachgemäßen Arbeiten” unverzüglich einzustellen, den ökologischen Schaden erheblich verringern können.

Richtig ist allerdings, daß der Schaden noch wesentlich geringer ausgefallen wäre, wenn Umwelt­amt und/oder Stadtplanungsamt schon in den drei Wochen vor dem 11.11.2020 die fraglichen Flächen kontrolliert hätten.

Die Photos, Videos und Augenzeugenberichte, die uns zu dieser Thematik vorliegen, sind unter folgen­der URL dokumentiert und veröffentlicht worden:

Wir bitten um Ihre Stellungnahme.

Ferner halten wir es für geboten, daß die Ratsversammlung, als auch die Öffentlichkeit, über diese notwendige Korrektur Ihrer Antwort auf die Einwohneranfrage informiert werden.

Schließlich bitten wir dringend um Klärung der Frage, wieso die Teilnehmer des Ortstermins vom 11.11.2020 trotz einer Begehung von „mehreren Stunden” Dauer die in den Ausgleichsflächen tätigen Bagger nicht bemerkt haben. Dazu wäre u.Umst. ein Einblick in das Protokoll dieses Ortstermins hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen,

Andreas Galka, stellvertretend für die Bürgerinitiative „Projekt Prüner Park”

Die Zerstörung der Ausgleichsflächen auf dem Prüner Schlag im Herbst 2020: Dokumentation anhand von Photos, Videos und Augenzeugenberichten

Der im Jahr 2016 rechtskräftig gewordene Bebauungsplan 988 für den Bau der Möbelhäuser „Höffner“ und „Sconto“ legt fest, daß auf den ehemaligen Kleingartenanlagen „Prüner Schlag 10-18“ und „Brunsrade 18-23“ neben dem „Sondergebiet Einzelhandel-Möbel“, also der eigentlichen Baufläche, auch „Flächen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft“ bestehen müssen, die etwas mehr als ein Drittel der Gesamtfläche ausmachen. Dabei war ausdrücklich gefordert, daß diese Flächen, vereinfachend auch „Ausgleichsflächen“ genannt und mit A1, A2 und A3 bezeichnet (siehe Karte), in ihrem gegenwärtigen verwilderten Zustand belassen sowie schonend gepflegt und ökologisch aufgewertet werden sollen.

Stattdessen wurde aber im Herbst 2020 in diesen Ausgleichsflächen fast die gesamte Vegetation vernichtet, bis auf einige Bäume und Heckenreste, und der Boden wurde von schweren Kettenfahrzeugen niedergewalzt; etwa 50 Bäume wurden gefällt, darunter auch solche mit bis zu 1,80 Meter Stammumfang. Die ansässige Tierwelt wurde vertrieben oder ausgelöscht.

Als dies im Januar 2021 bekannt wurde, teilte Edda Metz, Geschäftsführerin von „Möbel Höffner“, mit, es habe sich nur um einen einzelnen Baggerfahrer gehandelt, der die Karte nicht richtig gelesen habe. „Wo gearbeitet wird, passieren Fehler“, sagte sie.

Diese Behauptung hat den Krieger-Konzern (zu welchem „Möbel Höffner“ gehört) zwar nicht vor mehreren Strafanzeigen bewahrt, darunter einer von der Stadt Kiel selbst, aber sie hat sich doch in vielen Köpfen festgesetzt. „Eine Irrfahrt mit Folgen“ titelten die „Kieler Nachrichten“, und auch viele Redebeiträge in der Sitzung der Kieler Ratsversammlung vom 18.2.2021 ließen die Grundüberzeugung erkennen, die Bauarbeiter hätten versehentlich die Ausgleichsflächen zerstört.

Take-home message: Die Schuld liegt allein bei einem (oder vielleicht auch mehreren) unfähigen Baggerfahrern, der Bauherr kann nichts dafür.

In Wirklichkeit sind die Ausgleichsflächen aber nicht von den auf der eigentlichen Baustelle tätigen Unternehmen niedergemäht worden, sondern von einem anderen, offenbar eigens für diesen Zweck beauftragten, Unternehmen für Gartenbau. Es handelte sich um eine systematische planvolle Zerstörung, die 6-8 Wochen in Anspruch genommen hat und schon daher nicht mit der Irrfahrt eines einzelnen Baggerfahrers erklärt werden kann.

Der vorliegende Blog-Artikel hat den Zweck, dies zu beweisen, durch Photos, Videos und Augenzeugenberichte. Dazu erscheint es sinnvoll, die Vorgänge und die vorliegenden Daten chronologisch darzustellen.

Die Ausgleichsflächen vor der Zerstörung

Die Bauarbeiten begannen etwa Ende September 2020, zunächst nur auf der eigentlichen Baufläche. Ein Bauzaun wurde errichtet, jedoch war er zunächst noch nicht geschlossen, sondern endete im westlichen Teil der Fläche.

Ausgleichsfläche A1, vor der Zerstörung; im Vordergrund die bereits vorbereitete Baufläche; Aufnahmedatum: 17.10.2020
Ausgleichsfläche A2 vor der Zerstörung; im Vordergrund haben die Bauarbeiten bereits angefangen; Aufnahmedatum: 29.9.2020. Die vorderste Parzelle ist Parzelle 556.

Der Beginn der Arbeiten im Oktober

Am 26.10.2020 besuchte ich meine ehemalige Parzelle (556) in Ausgleichsfläche A2 und stellte fest, daß während der vorangegangenen Tage die Vegetation in den Ausgleichsflächen nieder­gemäht worden war. Diesen Zustand dokumentieren folgende Luftbilder:

Ausgleichsfläche A1 nach Beginn der ersten Arbeiten: die Vegetation wurde gemäht, der Boden ist aber noch nicht aufgebrochen. Aufnahmedatum: 1.11.2020. Man beachte die recht prominente Thuja, mittig nahe dem rechten Bildrand; sie wird weiter unten nochmals gezeigt werden.
Ausgleichsfläche A2 nach Beginn der ersten Arbeiten; Aufnahmedatum: 29.9.2020. Links vorne ist Parzelle 556 zu sehen.

Arbeiten im November 2020

Am 3.11.2020 wurden von einer Anwohnerin in Ausgleichsfläche A2 Fahrzeuge der „Firma X“ (der wirkliche Name ist mir bekannt) beobachtet und gefilmt; hier ein Einzelbild aus einem Video:

Fahrzeug der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A2; Aufnahmedatum: 3.11.2020; Photograph: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video, das einen 360-Grad-Rundum-Schwenk zeigt, aus dem ersichtlich ist, daß sich das Fahrzeug neben der Zufahrt vom Hasseldieksdammer Weg zur „Grünen Schützengilde“ befindet.

Im Januar 2021 bestätigte der Geschäftsführer der „Firma X“ bei einem Telephonat, daß er 2020 auf dem Gelände gearbeitet habe. Ein Bericht über dieses Telephonat ist zu finden auf dem Blog „Kiel Aktuell“ unter https://kielaktuell.com/2021/01/26/so-sieht-es-heute-auf-der-ausgleichsflaeche-aus/

Am 5.11.2020 nachmittags wollte ich meine ehemalige Parzelle (556) in Ausgleichsfläche A2 besuchen, unterließ dies jedoch, da ich auf dem Gelände zahlreiche Kettenfahrzeugen und Arbeiter vorfand – leider habe ich sie nicht gezählt oder photographiert.

Am 11.11.2020 wurden von einer Anwohnerin in Ausgleichsfläche A1 gleichzeitig drei Kettenfahrzeuge und ein Schredder der „Firma X“ beobachtet und gefilmt; hier zwei Einzelbilder aus einem Video:

Kettenfahrzeuge der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video.
Kettenfahrzeuge der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video.

Eines dieser Kettenfahrzeuge wurde am selben Tag von einer anderen Anwohnerin auf Ausgleichsfläche A3 beobachtet und photographiert:

Kettenfahrzeug der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A3; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin R.
Kettenfahrzeug der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A3; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin R.

Gemäß der „Gläsernen Akte“ auf der Homepage der Stadt Kiel besuchten Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde am 11.11.2020 das Gelände zu einem Ortstermin. Die Referentin für Umwelt, Klima und Mobilität schrieb anschließend an die Ratsfraktionen: „Am 11.11.2020 wurden die Flächen kontrolliert. Die in den im B-Plan festgesetzten Maßnahmeflächen A1 bis A3 festgestellt Arbeiten entsprachen nicht den verbindlich festgelegten Entwicklungszielen. Die Arbeiten waren bereits abgeschlossen.

Am 14.11.2020 besuchte ich meine ehemalige Parzelle (556) in Ausgleichsfläche A2 und fand den Bauzaun um die eigentliche Baustelle vollständig geschlossen vor. Mehrere Bäume waren gefällt.

Am 16.11.2020 wurden von einem Anwohner in Ausgleichsfläche A1 gleichzeitig zwei Kettenfahrzeuge beobachtet und photographiert:

Kettenfahrzeuge der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 16.11.2020; Photograph: Anwohner D.

Um die Stelle zu identifizieren, an der dieses Photo aufgenommen wurde, habe ich später das folgende Photo aufgenommen. Die prominente Thuja, die diese Photos zeigen, ist auch auf vielen Luftbildern sichtbar (s.o.) und kann als Orientierungspunkt verwendet werden.

Thuja auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 28.2.2021; Photograph: Abutimon.

Am 19.11.2020 wurde von einer Anwohnerin auf dem Wanderweg neben Ausgleichsfläche A1 der Abtransport eines Abfallcontainers beobachtet und gefilmt; hier ein Einzelbild aus einem Video:

Fahrzeug der „Firma Y“ mit Abfallcontainer auf dem Wanderweg neben Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 19.11.2020; Photographin: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video.

Der Geschäftsführer der „Firma X“ gab an, es seien von dem Gelände insgesamt 14 Container mit Grünabfall abgefahren worden.

Das folgende Bild hat eine Anwohnerin nach eigenen Angaben am 20.11.2020 um 15:31 Uhr aufgenommen. Sie schreibt dazu: „An diesem Tag habe ich kurz vorher beim Spaziergang mit dem Hund gesehen, wie die Brombeeren entrissen wurden, welche an dem Weg wuchsen. Ein kleiner Bagger (orange) wurde fleißig genutzt und es stand noch ein Mann mit einer Fernbedienung in der Hand auf dem Gelände und hat eine Art kleine ‚Raupe mit Greifarmen‘ bedient, welche die Sträucher herausgerissen hat. Leider habe ich da keine Bilder von gemacht. Ich war zu fassungslos … beide Männer hatten Grün/ Orange Kleidung an.

Container, Grünschnitt und Betonschutt auf Ausgleichsfläche A1. Aufnahmedatum: 20.11.2020. Photographin: Anwohnerin M.

Am 2.12.2020 wurde von einer Anwohnerin am Rande der Ausgleichsfläche A2, bzw. im Knick zwischen der Ausgleichsfläche und dem Hasseldieksdammer Weg, ein Bagger beobachtet und photographiert:

Bagger am Rande von Ausgleichsfläche A2; Aufnahmedatum: 2.12.2020; Photograph: Anwohnerin S.

Das Ergebnis der Arbeiten

Die gegen Ende November 2020 weitgehend abgeschlossene Zerstörung der Ausgleichsflächen wird durch die folgenden Luftbilder vom November bzw. Dezember dokumentiert:

Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 27.11.2020. Links im Bild ein mehrere Meter hoher Berg von Grünabfall und Schredderauswurf, der erst Anfang Februar 2021 abgefahren wurde.
Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 27.11.2020. Etwas oberhalb der Mitte ist die prominente Thuja zu sehen.
Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 19.12.2020.
Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 19.12.2020.
Ausgleichsfläche A2, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 19.12.2020. Im rechts-oberen Bildviertel befindet sich Parzelle 556.

Abschließend noch einige Bilder vom Boden:

Baggerspur und Heckendurchbruch in Parzelle 556. Aufnahmedatum: 8.11.2020. Photograph: Abutimon.

Während der Bodenbewuchs in Parzelle 556 noch einigermaßen intakt ist, sind andere Parzellen wesentlich schlimmer betroffen:

Fahrzeugspuren in Ausgleichsfläche A2. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.
Fahrzeugspuren in Ausgleichsfläche A2. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.
Mehrere Meter hoher Berg von Grünabfall und Schredderauswurf in Ausgleichsfläche A2, der erst Anfang Februar 2021 abgefahren wurde. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.
Frische Baumstümpfe in Ausgleichsfläche A2, Nähe Westring. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.

Mein Redebeitrag bei der Demonstration „Klima retten statt Höffner-Betten“ am 27.2.2021 in Kiel

Warum sind wir heute hier? Weil man uns die Gärten geraubt hat. Weil man uns die Grünflächen geraubt hat. Seit Jahrhunderten war der Prüner Schlag öffentliches Land. Er gehörte der Bevölkerung von Kiel. Er gehörte uns.

Dann kam da so ein Yuppie daher, ein gewisser Torsten Albig. Er ließ sich, mithilfe der Kieler SPD, zum Oberbürgermeister wählen und begann, Kieler Grünflächen an einen rücksichtslosen Konzern zu verscherbeln. Ein Yuppie, der zuvor keine Beziehung zu Kiel hatte, der hier nur Karriere machen wollte. Ein paar Jahre Ministerpräsident sein. Und wo ist er jetzt? Jetzt lebt er in Brüssel als Lobbyist eines Konzerns. Er zieht es vor, nicht in der Stadt zu leben, der er die Grünflächen geraubt hat.

Den Krieger-Konzern interessiert einzig und allein der Profit. Naturschutz, oder Lärmschutz für die Anwohner der Baustelle, interessieren ihn nicht. Er will dieses Grundstück vor allem als Wertanlage. Im ganzen Land verdrängt Krieger kleinere Möbelhäuser und kauft sie dann auf; anschließend reduziert er das Einkommen der Belegschaft auf zwei Drittel (siehe Disclaimer unten). Dieser Konzern ist kein seriöser Geschäftspartner.

Wir fordern:

  • sofortiger Baustopp für Möbel Höffner.
  • Die Klimaschutzstadt Kiel soll ihre Klimaschutzziele endlich ernst nehmen.
  • Dauerhafter Schutzstatus für den gesamten Kieler Grüngürtel. Für Gewerbeansiedlungen gibt es Gewerbegebiete.
  • Verzicht auf Verkehrsprojekte, die vor 40 Jahren geplant wurden: Verzicht auf Südspange und A21-Anschluß; Bewahrung der Kleingärten im Süden Kiels.

Laßt uns gemeinsam Kiel grün und lebenswert erhalten. Ich danke Euch fürs Kommen und für Euer Engagement.

Disclaimer: die Zahl 2/3 ist ein summarischer Schätzwert; mir liegen keine präzisen Zahlen der einzelnen Übernahmen anderer Unternehmen vor. Das tatsächliche Verhältnis kann höher oder auch niedriger liegen.

Sommerbilder 2020

Es ist eine alte Tradition, daß auf diesem Blog jedes Jahr eine Sammlung von „Sommerbildern“ veröffentlicht wird, und auch dieses Jahr soll dies geschehen, wenn auch leider mit einiger Verspätung, für die ich den Leser um Vergebung bitte.

Gärtnerisch war das Jahr in diesem Garten eher unspektakulär; nachdem die ausgesäten Ringelblumen und Sonnenblumen nicht aufkeimten, wurde das Pastinakenbeet von Gras und Wildkräutern überwachsen. Stattdessen wurde aber auf dem Grabungsareal I der Prunarslagshejm-Ausgrabung ein neues Beet angelegt, auf dem demnächst eine Gründüngung ausgesät werden soll. Die Ernte in Parzelle 556 beschränkte sich dieses Jahr auf Äpfel, Johannisbeeren und Pfefferminze.

Südlich der Parzelle legten die Recken des 1. Kieler Guerilla-Gardening-Battaillons einen weiteren Schriftzug an; der Eigentümer des Geländes war darüber anscheinend so erbost, daß er Ende September eine Armee von Baumaschinen in Bewegung setzte, die die beiden Schriftzüge komplett auslöschten und an seiner Stelle hohe Erdgebirge aufhäuften (siehe unten).

Wie wird die Zukunft dieses Gartens und dieses Geländes aussehen? Anscheinend hat der Eigentümer tatsächlich die Absicht, hier doch noch ein „Möbelmarktzentrum“ zu errichten. Welche Bilder werden in einen Jahr auf diesem Blog veröffentlicht werden?

Parzelle 556 im Juni 2020: Deutlich sichtbar ist links die Sandfläche und gleich rechts daneben die Rotblättrige Kirschpflaume. Unterhalb der Sandfläche, am linken Ende der Hecke, erkennt man Grabungsareal II der Prunarslagshejm-Ausgrabung; Grabungsareal I liegt unterhalb der Kirschpflaume, leicht nach rechts gerückt. Der Apfelbaum ist weiter rechts hauptsächlich durch seinen Schattenwurf erkennbar.
Blick in Parzelle 556 durch den Eingang, in westlicher Richtung
Blick in Parzelle 556 in östlicher Richtung; im Vordergrund die Sandfläche sowie Grabungsareal I
Apfelblüte im Mai
Apfelblüte im Mai
Auf die Blüten folgen die Früchte.
Auf der Sandfläche hat sich Magenta Spreen (Chenopodium giganteum) angesiedelt, zur Freude der hungrigen Kaninchen.
Die Lupinen fühlen sich im östlichen Teil der Parzelle wohl.
Raupe des Jakobskrautbären auf Jakobskraut
Blick über die Vegetation, die sich dieses Jahr auf dem Prüner Schlag ausgebreitet hat; nur wenige Wochen später wurde sie von Baumaschinen komplett ausgelöscht.
Der Pächter von Parzelle 556 erfreut sich an dem Anblick der frisch geschnittenen Hecke; dahinter erhebt sich majestätisch der frisch aufgetürmte Mount Höffner.
Es wird Abend in Parzelle 556, in doppelter Hinsicht. Anfang September 2021 soll das „Möbelmarktzentrum“ eröffnet werden.

Einige Gedanken zum Klimawandel

Vor einiger Zeit fiel mir auf, daß das Datum meiner Geburt zufällig mit dem „Bergfest“ des Kalten Krieges zusammenfiel: Im Jahre meiner Geburt lag das Ende des Zweiten Weltkrieges 22 Jahre zurück, und als ich 22 Jahre war, löste sich die Sowjetunion auf, die Berliner Mauer fiel, usw. Natürlich konnte 1967 niemand wissen, wie lange der Kalte Krieg noch andauern würde.

Ich habe den Kalten Krieg als bedrückende Zeit in Erinnerung, auch wenn uns in Westdeutschland materiell an nichts fehlte. Die Gefahr eines atomaren Weltuntergangs hing ständig wie ein Damokles-Schwert über unseren Köpfen. Ich erinnere mich an einen Mitschüler, der mir Mitte der 80er Jahre sagte, er rauche und trinke ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, da sein Leben ohnehin in wenigen Jahren im Dritten Weltkrieg enden werde. Ich begriff damals, daß auch ein Kalter Krieg töten kann.

Es kam dann ja anders, und ich weiß nicht, wie es meinem früheren Mitschüler heute gesundheitlich geht. Der Höhenflug der frühen 90er, der Kater nach der Wiedervereinigung, die Terrorwelle der 2000er. Niemand sorgt sich mehr um Atomwaffen, und selbst die zivile Nutzung der Kernkraft neigt sich dem Ende zu.

Aber in den letzten Jahren ist am Himmel ein neues Damokles-Schwert aufgetaucht, das droht, uns den Lebensmut zu rauben: der Klimawandel. Ein diffuser, aber allgegenwärtiger und hinterhältiger Gegner, er verbirgt sich in schmelzenden grönländischen Gletschern, in den unergründlichen Temperaturverteilungen der Ozeane und in den noch unergründlicheren mathematischen Gleichungen der Klimaforscher. Jede Lebensäußerung wird zum Verbrechen am Weltklima: Reisen, Fleisch, Autos, Heizen, … selbst beim Ausatmen befallen uns Gewissensbisse, denn es ist Kohlendioxid, das wir ausatmen.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß wir uns um die zukünftige Entwicklung des Weltklimas Gedanken machen sollten. Und bei aller andauernden Diskussion der Experten läßt sich nicht ernstlich abstreiten, daß die Menschheit zuviel Treibhausgase ausstößt. Aber wie soll die Mammutaufgabe bewältigt werden, die gesamte Weltwirtschaft nachhaltig umzugestalten, und das möglichst innerhalb weniger Jahre? Das erscheint so vollkommen undurchführbar, daß kein Raum für Hoffnung bleibt. Die Panik und die Hoffnungslosigkeit sind bei der von Greta Thunberg angeführten weltweiten Bewegung deutlich zu spüren. „Hope dies – action begins“ heißt es bei den Aktivisten von „Extinction Rebellion“. Aber was für eine „action“ soll auf der Grundlage von Panik und gestorbener Hoffnung durchgeführt werden?

Wieder droht die Aussichtslosigkeit einer tödlichen weltweiten Gefahr das Leben einer ganzen Generation zu verdüstern. Aber ist dies wirklich notwendig? Welchen Nutzen bringt es, wenn wir den Rest unseres irdischen Lebens mit Wehklagen und Weltuntergangsdepression verbringen? Ist denn keine andere Reaktion auf drohende Gefahren und bevorstehende Herausforderungen möglich?

Seien wir realistisch. Die Politik wird dies und jenes gegen den Klimawandel beschließen, oder vielleicht auch nicht beschließen, aber die nach Meinung der Experten notwendige Radikalumkehr wird sie nicht zustande bringen. Selbst ein Diktator mit unbeschränkter Macht über die gesamte Welt würde sie vermutlich nicht zustande bringen, zu groß sind die Widerstände und Trägheiten. Also müssen diese und die folgenden Generationen lernen, mit dem Klimawandel zu leben.

Daß das Klima sich wandelt, ist ja nichts neues für den Planeten, das hat es immer schon getan, auch ohne menschliches Zutun. Eiszeiten kamen und gingen, die Natur passte sich an. Für den Wandel gab es verschiedene Ursachen, die auch jetzt und in Zukunft wirksam bleiben, so wie die langperiodischen Änderungen der Parameter der Erdbewegung im Sonnensystem; darauf haben wir Menschen keinerlei Einfluß. Daß die Wissenschaft jemals eine totale technische Kontrolle des planetaren Klimas erzielen könnte, halte ich für eine gefährliche Illusion.

Es nützt also nichts, die Menschheit wird sich an das jeweilige Klima anpassen müssen, ganz gleich, was die Ursachen für dessen Wandel sind. Ein Aussterben der Menschheit ist nicht zu befürchten – diese Spezies ist zäh. In dieser Hinsicht übertreibt „Extinction Rebellion“. Insbesondere aber müssen wir mit dieser völlig unproduktiven Weltuntergangsstimmung aufhören, die macht alles nur noch schlimmer. Ich will wieder ohne schlechtes Gewissen ausatmen können.

Und selbstverständlich bin ich weiterhin dafür, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise in Richtung größtmöglicher Nachhaltigkeit umzugestalten, soweit sich dies ohne Diktatur realisieren läßt.

Parzelle 556 im Januar 2020: Blick nach Osten

Parzelle 556 im Januar 2020: Blick nach Westen

 

Klimanotstand? Möbelmarktzentrum!

Im August dieses Jahres wandte sich ein Kieler Bürger zunächst in schriftlicher Form, sodann persönlich, an den Ortsbeirat Mitte mit einer Liste von 7 Fragen, die den Bebauungsplan 988 („Möbelmarktzentrum auf den ehemaligen Kleingartenanlagen Prüner Schlag und Brunsrade“) kritisch im Lichte des im Mai von der Ratsversammlung beschlossenen „Klimanotstandes“ hinterfragen. Der Ortsbeirat leitete die Fragen weiter an die zuständigen städtischen Ämter, namentlich das Stadtplanungsamt, das Umweltschutzamt sowie das Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation. Ich dokumentiere hier die Fragen und die von den Ämtern gegebenen Antworten.

  1. Frage: Trifft es zu, dass für die Einfahrt vom Westring aus zum geplanten Möbelmarkt auf dem Prüner Schlag 16-20 hochgewachsene Bäume gefällt werden müssen? Ist Ihnen die genaue Anzahl bekannt?
    Antwort: Dass für die verkehrliche Erschließung des Möbelmarkts Bäume gefällt werden müssen, ergibt sich aus den Inhalten des Bebauungsplans. Einzelheiten hierzu wurden außerhalb des B-Plan-Verfahrens in zwei Baumfällgenehmigungen geregelt, die nicht im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Verfahrens erteilt wurden, sondern auf Antrag eines Dritten. Die Angaben aus diesen Verfahren sind daher grundsätzlich schutzwürdig.
  2. Frage: Gibt es, in Anbetracht des Klimawandels, keine alternativen Planungen zum Erhalt dieser wichtigen CO2 Speicher?
    Antwort: Die Thematik der grundlegenden Planungsalternativen wurde innerhalb des B-Plan-Verfahrens behandelt. Als Ergebnis liegt der nunmehr rechtskräftige B-Plan vor.
  3. Frage: Wann beginnen die Baumaßnahmen und wann werden voraussichtlich diese Bäume „abgesägt“?
    Antwort: Die durch das Umweltschutzamt erteilten Baumfällgenehmigungen sind rechtskräftig. Es ist zu beachten, dass es naturschutzrechtliche Schutzfristen gibt, die eingehalten werden müssen und in denen nicht gefällt werden darf.
    Die Baumaßnahme beginnt zeitnah mit der Umlegung einer Gasleitung. Die Baustelle muss eine ausreichend leistungsfähige und verkehrssichere Zu- und Abfahrt haben, um überhaupt die Erschließung durchführen zu können. Insofern ist es nur folgerichtig, zuerst die notwendige verkehrssichere Zufahrt zu bauen und dann mit der inneren Erschließung zu beginnen.
  4. Frage: Seit vielen Jahren gibt es von Krieger bisher nur Ankündigungen, einen Möbelmarkt zu errichten. Sollte der Bau des Anschlusses nicht ausgesetzt werden, bis erkennbar Bautätigkeiten auf dem Prüner Schlag stattfinden? Der kleine Wald und der Baumbestand an der Straße könnten somit länger erhalten bleiben.
    Antwort: Siehe Antwort zu Frage 3.
  5. Frage: Müsste nicht in Anbetracht des Klimawandels und der zentralen Funktion eines jeden Baumbestands eine Neubewertung dieser Planung erfolgen?
    Antwort: Der Bebauungsplan Nr. 988 ist rechtskräftig und damit bindend. Für eine Bebauungsplanänderung wäre ein konkreter, näher bestimmter planungsrechtlicher Planungsanlass und ein Planungserfordernis erforderlich, der seitens des Stadtplanungsamtes nicht gesehen wird.
  6. Frage: Sind die Berichte des Weltklimarates für den Ortsbeirat nicht so relevant, als dass sie ein starkes Votum für den Erhalt dieses Baumbestands auslösen müssten?
    Antwort: Die Frage richtet sich an den Ortsbeirat.
  7. Frage: Das Ausrufen des Klimanotstandes der „Klimaschutzstadt Kiel“ erfordert eine Neubewertung des B-Plan 988.
    Antwort: Der Bebauungsplan Nr. 988 ist rechtskräftig und damit bindend. Für eine Bebauungsplanänderung wäre ein konkreter, näher bestimmter planungsrechtlicher Planungsanlass und ein Planungserfordernis erforderlich, der seitens des Stadtplanungsamtes nicht gesehen wird.

(Eigentlich dient dieser Post nur der Dokumentation, aber ich kann mir hier einen kleinen Kommentar zur Antwort auf die Fragen 5 und 7 nicht verkneifen: Würde der „Klimanotstand“ nicht genau die Planungserfordernis darstellen, welche das Stadtplanungsamt zu sehen außerstande ist?)

Sommerbilder 2019

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Der Eingang von Parzelle 556: Seit Oktober 2018 sind auch der Torbogen sowie der Rest des Plattenweges verschwunden.

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Blick Richtung Osten: vorn die Sandfläche, die lange als Kinderspielplatz diente, dahinter die Rotblättrige Kirschpflaume.

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Der alte Apfelbaum von Parzelle 556: Dieses Jahr trägt er kaum Früchte – vielleicht eine Folge des extrem trockenen Sommers 2018, vielleicht liegt es auch daran, daß er im Februar beschnitten wurde. Deutlich erkennbar sind außerdem die zahlreichen Wilden Karden, die in diesem Jahr zur Blüte gelangten.

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Dieses Jahr wurde in Parzelle 556 ein Pastinakenbeet angelegt – ein Ausdruck dafür, daß die Kontinuität des Gärtnerns in dieser Anlage ungebrochen bleibt.

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Die Hummeln lieben die Wilden Karden, aber auch die Disteln (vielen Dank an UK für die Hummel-Photos).

Neue Aktion der „Möbel-Kraft“-Gegner auf dem Prüner Schlag

(reblogged from: https://kielaktuell.com/2019/08/05/neue-aktion-der-moebel-kraft-gegner-auf-dem-pruener-schlag/ ; author: UrsulaS)

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Im April dieses Jahres jährte sich, weitgehend unbeachtet, zum fünften Mal der erste Bürgerentscheid, der in Kiel je stattgefunden hat. Es ging dabei um die Frage, ob ein Möbelmarktzentrum auf Teilen der Kleingartenanlagen Prüner Schlag und Brunsrade, gelegen im Westen Kiels, gebaut werden soll. Der Plan für diese Gewerbeansiedlung war im Sommer 2011 veröffentlicht worden, worauf sich in den folgenden Monaten und Jahren eine recht große und aktive Bewegung entwickelt hatte, die sich für den Erhalt dieses Grüngeländes engagierte. Dieses Engagement gipfelte im Bürgerentscheid, bei dem die Gegner der Ansiedlung mit 47,5% der Stimmen knapp unterlagen.

Heute, 5 Jahre später, steht aber aber immer noch kein Möbelmarktzentrum auf dem Gelände. Der Investor Kurt Krieger verschob immer wieder den Baubeginn und verkündete schließlich Ende 2018, anstelle des ursprünglich vorgesehenen Möbel-Kraft-Hauses wolle er nun lieber einen Höffner-Markt errichten. Für den Oktober 2019 sind Arbeiten an einer neuen Kreuzung auf dem Westring mit Zufahrt zum Gelände angekündigt worden. Abgesehen vom Abriss der über 300 Kleingärten haben ansonsten noch keine baulichen Tätigkeiten stattgefunden.

Was aber ist aus der einstmals so aktiven Bewegung geworden, die sich bis 2014 gegen die Bebauung des Geländes engagiert hatte? Hat sie resigniert und sich aufgelöst? Oder haben die Debatten um Klimaschutz und Insektensterben ihren Zielen und Forderungen neue Aktualität gegeben?

Tatsächlich wurde nun beobachtet, dass auf dem Brachgelände von unbekannter Seite neue Beete in Form von Buchstaben angelegt wurden, die den Schriftzug „NATUR STATT MÖBEL“ bilden; in den mit Steinen eingefassten Buchstaben wurde eine Blumenmischung ausgesät. Die Gesamtlänge des Schriftzuges beträgt immerhin etwa 75 Meter; von Drohnen aus ist er gut erkennbar (siehe Photo). Die Verantwortung für die Aktion hat eine geheimnisvolle Gruppierung namens „Erstes Kieler Guerilla-Gardening-Bataillon“ übernommen.

Offenbar ist die Bewegung für den Erhalt dieses Grüngeländes auch 5 Jahre nach dem Bürgerentscheid noch lebendig. Die Anlage dieses Schriftzuges reiht sich ein in eine Tradition phantasievoller Aktionen in früheren Jahren, wie etwa die als „Möbel-Kraft-Ausgleichsflächen“ gekennzeichneten Blumentöpfe, die plötzlich überall in der Stadt standen und hingen, oder lustige Bekanntmachungen, die sich als amtliche Mitteilungen tarnten. Mal sehen, was als nächstes kommt!

Die Sorgen des Vorsitzenden

Die Landeshauptstadt Kiel diskutiert mal wieder über eines ihrer Lieblingsthemen: Kleingärten. Auslöser ist dieses Mal ein Offener Brief des Vorsitzenden des größten Kieler Kleingärtnervereins, Axel Zabe. Darin listet er, akkurat durchnumeriert, vier Punkte auf, über die er sich beschweren will:

  1. Ausbleibende (obwohl zugesagte) Hilfen für die Überschwemmungsschäden des vergangenen Winters;
  2. Ausbleibende (ebenfalls zugesagte) Hilfen für die Eingliederung von Migranten und „ausländischen Mitbürgern“;
  3. Von der Kieler Stadtverwaltung durchgeführte, „groß angelegte“ Begehungen, Kontrollen und Vorwürfe bezüglich Regelverstößen;
  4. eine Wirtschaftsprüfung des Vereines seitens der Kieler Stadtverwaltung.

Von diesen Punkten nimmt der dritte mit Abstand den breitesten Raum in dem Brief ein; in diesem Zusammenhang schreibt Zabe, „In meinen Augen sieht es so aus, als wenn man das Kleingartenwesen in Kiel vernichten möchte.“ Auch die Flächenverluste aufgrund der geplanten Möbel-Kraft-Ansiedlung werden erwähnt, allerdings im Zusammenhang mit zugesagten, aber dann vergessenen Ausgleichsflächen. Der Brief endet mit dem Satz, „Dieses Schreiben werde ich an Zeitungen, Funk und Fernsehprogramme schicken, in der Hoffnung, endlich irgendwo Gehör zu finden.“

Die Reaktionen der Kommunalpolitik auf den Offenen Brief fielen recht unterschiedlich aus. Die Ampel-Kooperation im Kieler Rathaus bezeichnete den Brief als „völlig kontraproduktiv“ und als „in der Sache und im Ton unakzeptables Schreiben“, überdies sprach sie von „martialischer Rhetorik“. Der SSW diagnostizierte einen „überforderten“ Vereinsvorsitzenden. Die übrigen Parteien ließen mehr Verständnis für Zabes Sorgen und Klagen erkennen.

Die „Kieler Nachrichten“ berichteten in zwei Artikeln über den Brief und die Reaktionen, ferner befaßte sich die zuständige Redakteurin in einem Kommentar mit dem Thema. In diesem läßt sie zunächst durchaus Sachkenntnis und Verständnis für die Kieler Kleingärtner erkennen, wenn sie schreibt: „Vor allem wegen der Ahndung von Regelverstößen hegen (die Kieler Kleingärtner) derzeit einen kollektiven Mißmut gegen die Stadt. Die Verärgerung ist nachvollziehbar, denn nach jahrzehntelanger Duldung fing die Stadt 2018 an, sämtliche Parzellen zu überprüfen (…) Pächter, Vereine, Kreisverband, Ratsmitglieder – keiner kann die plötzliche Aktivität der Verwaltung erklären. Kaum zu glauben, daß sie reine Willkür ist. Aber welche Strategie steckt bloß dahinter?“

Das frage ich mich allerdings seit einigen Monaten (und nicht nur ich), und alle Versuche, der Verwaltung eine sinnvolle Antwort zu entlocken, sind bislang fehl geschlagen. Es stimmt mit meinen Erfahrungen überein, daß selbst Ratsmitglieder ratlos vor dieser Frage, bzw. vor diesem Verwaltungshandeln stehen. Die CDU-Ratsfraktion beispielsweise schrieb in ihrer Reaktion auf Zabes Brief ausdrücklich, daß „einige Vorgänge bisher nicht bekannt“ waren. Es verfestigt sich daher der Eindruck, daß wir es hier mit einer teilweise außer Kontrolle geratenen Verwaltung zu tun haben, die mit streng preußischer Vorschriftstreue über das Kieler Kleingartenwesen hergefallen ist.

Wieso dann gerade die Vertreter der Kieler Ampel-Kooperation – die doch am ehesten imstande sein sollten, die außer Kontrolle geratenen Verwaltungsorgane wieder zu bändigen – den Offenen Brief Zabes so heftig angreifen, ist mir unverständlich. Wo bitte schön sehen sie denn da „martialische Rhetorik“ oder „unakzeptablen Ton“? Nur wegen des Wortes „Vernichtung“? Der aufmerksame Leser des Briefes wird doch eher Enttäuschung und geradezu Verzweiflung wahrnehmen, anstatt martialischer Gesinnung.

Schon seit Längerem vermuten viele Kieler Kleingärtner hinter dem schikanösen Verhalten der Verwaltung den – offen nicht eingeräumten – Wunsch nach Bauland, und auch die Kommentatorin der KN äußert diesen Verdacht, jedoch nur, um sich dann sogleich auf die Seite ebendieser Verwaltung und ihrer heimlichen Intentionen zu schlagen: Falls die Verwaltung von dem „Verlangen, das städtische Eigentum teils anders oder lukrativer zu nutzen“ angetrieben sei, wäre dies doch eine prima Idee, die man öffentlich diskutieren solle, anstatt sie zu verstecken. Und dann singt sie wieder das wohlbekannte Lied von den „Gärten zur Selbstversorgung“, die man in lange vergangenen Zeiten mal gebraucht habe, aber doch gewiß nicht mehr heutzutage in einer wachsenden „flächenarmen Großstadt“. Anstelle von Kleingärten brauche Kiel „Flächen für Naherholung, Wohnraum und Gewerbe“ (wieso Kleingartenanlagen der „Naherholung“ im Wege stünden, bleibt ihr Geheimnis). Dieses Plädoyer für die Abwicklung der Kieler Kleingärten, bzw. des Kieler Grüngürtels, schließt die Kommentatorin mit der Aussage, „Es kann nur schöner werden in den Kleingärten“. Absurder geht es nicht mehr.

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Parzelle 556 im Dezember 2018: es sieht nicht mehr ganz so schlimm aus wie ein Jahr zuvor, aber es bleibt noch sehr viel zu tun

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Direkt neben Parzelle 556 (links im Bild) erstreckt sich eine leblose planierte Mondlandschaft; alles was hier an Gärten erinnerte, ist ausgelöscht worden