Grußwort des Oberbürgermeisters der Landesmöbelhauptstadt Kiel anläßlich der Eröffnung des Höffner-Möbelmarktes auf dem Prüner Schlag

Die Eröffnung der 24. Filiale der Höffner-Kette ist ein großer Tag für unsere geliebte Klimaschutz­stadt Kiel, denn dadurch können wir der Welt in aller Deutlichkeit zeigen, welches Klima wir mit höchster Priorität schützen wollen: Natürlich das Wirtschafts- und Investorenklima!

Hier, wo sich heute ein prachtvoller Betonklotz stolz und knallrot erhebt, erstreckte sich noch vor 10 Jahren eine öde und wirtschaftlich unproduktive Kleingartenanlage. Übellaunige Pächter vergeudeten ihre Zeit damit, in der schlammigen Erde herumzuwühlen und an irgendwelchem Gestrüpp herumzugärtnern.

Unser weitsichtiger Amtsvorgänger Thorsten Albig und sein grüner Kooperationspartner Peter Todeskino konnten diesen Zustand nicht länger ertragen und beschlossen, das Gelände einer besseren Nutzung zuzuführen. Sie erkannten, daß Kleingärten im 21. Jahrhundert vollkommen überflüssig sind, da uns heutzutage durch den agrarwissenschaftlichen Fortschritt das ganze Jahr über ebenso preiswerte wie geschmacksfreie Lebensmittel zur Verfügung stehen.

Konsequenterweise bezeichnete Albigs Nachfolgerin Susanne Gaschke die Kieler Kleingärten als „Bauerwartungsland“, und Peter Todeskino forderte, gleich den ganzen historischen Grüngürtel Kiels aufzulösen. Damit war der Weg gewiesen für eine fortschrittliche Stadtentwicklung.

Auch der enorme Leerstand in der Kleingartenanlage Prüner Schlag machte eine Auflösung der Anlage zwingend notwendig: Von den 330 Parzellen standen im Jahr 2012 immerhin 13 leer, das sind 3.9 Prozent – die Anlage war also nahezu verlassen!

Es war ein ganz unerwartetes Glück, daß sich in dieser Lage eine der großen Unternehmer­persönlichkeiten Deutschlands, kein geringerer als Klaas Klever – äh – Kurt Krieger, bereit erklärte, unsere Stadt von dieser vorsintflutlichen Kleingartenanlage zu erlösen und stattdessen einen zeitgemäßen Konsumtempel zu errichten – und all dies auf eigene Kosten!

Wir alle wissen, wie sehr diesem Konzernlenker das Wohl noch des kleinsten seiner Angestellten am Herzen liegt. Anstelle seiner Belegschaft einen eintönigen und langweiligen Arbeitsalltag bei festem Gehalt aufzubürden, verschafft er ihr Anregung und Nervenzusammenbruch – äh – Nervenkitzel durch ein Provisionsmodell bei mickrigem Grundgehalt. Da dadurch das unternehmerische Risiko auf den einzelnen Mitarbeiter verlagert wird, kann sich jeder einzelne wie ein kleiner Unternehmer und Firmenchef fühlen – zweifellos eine Win-Win-Situation!

Es ist unbegreiflich, daß Teile der Kieler Bevölkerung diesem Wohltäter anstatt purer Dankbarkeit nichts als kleinliches Gemäkel, ja sogar Ablehnung entgegenbrachten. Diese weltfremden Elemente verwendeten allerlei bizarre Kritikpunkte, irgendwas mit Wildbienen, Fledermäusen und Singvögeln, oder sie behaupteten, die Grünflächen­versorgung der Anwohner sei gefährdet – eine absurde Behauptung, da doch die Ausgleichsflächen in Hummelfeld nur etwa 37 Kilometer entfernt liegen, da kann doch jeder Anwohner abends mit Bello schnell mal hinspazieren.

Sie griffen sogar zu dem extremen Mittel eines Bürgerentscheids – das der Landtag von Schleswig-Holstein kurz zuvor eingeführt hatte – um den Fortschritt und die Stadt­entwicklung zu sabotieren. Nur durch einen vereinten Kraftakt aller verantwortungs­bewussten gesellschaftlichen Kräfte – Parteien, Gewerkschaften, Medien – und unter Einsatz von über 30.000 Euro Steuergeldern konnte die drohende Gefahr eines Planungsstopps knapp abgewendet werden.

Der kommissarische Oberbürgermeister Todeskino trug zu diesem Erfolg bei durch den genialen Einfall, schon vor der Abstimmung einen großen Teil der Kleingartenlauben abreißen zu lassen, unter dem klug eingesetzten Vorwand der „Verkehrsicherung“ – dadurch entstand für viele Menschen der durchaus erwünschte Eindruck, es gebe nichts mehr zu retten und der Bürgerentscheid komme somit zu spät. An diese Episode werden wir Kieler uns immer anhand eines denkwürdigen Zitates erinnern: „Abriss schafft keine Fakten“.

Nach dem glimpflich verlaufenen Bürgerentscheid schritt der Krieger-Konzern fast unverzüglich zur Tat und begann nur sechseinhalb Jahre später mit den Bauarbeiten. Bekanntlich arbeitet dieser Konzern immer sehr akkurat – fast immer, nur leider las ein einzelner Baggerfahrer 6 Wochen lang die Karte falsch und zerstörte dabei drei ökologische Ausgleichsflächen von insgesamt 6.2 Hektar Größe. Das ist aber nicht so schlimm, da die zahllosen Vandalen aus der Bevölkerung die fraglichen Flächen vorher ohnehin schon vollkommen verwüstet hatten. Die Schurken haben tatsächlich komplette Bäume gefällt und abtransportiert – zumindest kennt jemand aus dem Baudezernat jemanden, der jemanden kennt, der das vor Jahren mal so behauptet haben soll.

Aber nun ist ja alles glücklich überstanden, und wir wünschen dem Möbelmarkt klingende Kasse. Und um dem Konzern-Chef nicht die Laune zu vermiesen, werden die städtischen Ämter sicher gern mal ein paar Augen zudrücken, wenn die Wiederherstellung der zerstörten Flächen noch ein paar Monate – oder auch ein paar Jahre – auf sich warten läßt.

Besonders positiv hervorzuheben ist die „Kurt Krieger Stiftung für nachhaltiges Bauen“. Sie wird uns sicher alle davon überzeugen, daß es nachhaltig ist, große Flächen zu versiegeln und uralte Wälder in Osteuropa abzuholzen, um daraus Wegwerfmöbel herzustellen.

Wir freuen uns über 280 neue Arbeitsplätze für Kiel – und wir vertrauen fest darauf, daß diejenigen Möbelhäuser und sonstigen Unternehmen, deren Umsatz einbrechen wird, weil der neue Höffner-Markt die Kaufkraft auf sich zieht, wie durch ein Wunder und entgegen jeder betriebswirtschaftlichen Logik keine 280 Arbeitsplätze abbauen werden.

Dank Krieger ist unsere geliebte Heimatstadt um ein architektonisches Juwel reicher geworden, und aus Dankbarkeit werden wir als nächstes den Westring in Kurt-Krieger-Ring umbenennen. Anschließend werden wir dann Investoren für die verbliebenen Teile des Kieler Grüngürtels suchen. Und mit den dabei gewonnenen Gewerbesteuern werden wir Informationsbroschüren über Klimaschutz drucken lassen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Bleiben Sie gesund und kaufen Sie sich rasch neue Möbel.

Der Abgesandte des Oberbürgermeisters beim Verlesen des Grußwortes (Kiel, Westring; 30.10.2021)

Sommerbilder 2021

Auch in diesem Jahr halte ich an der Tradition fest, auf diesem Blog jährlich eine Sammlung von „Sommerbildern“ von Parzelle 556 zu veröffentlichen. Dabei muß gesagt werden, daß das Jahr 2021 ein sehr ungewöhnliches, ja geradezu einschneidendes Jahr gewesen ist, sowohl für Parzelle 556, als auch für die (ehemaligen) Kleingartenanlagen „Prüner Schlag 10-18“ und „Brunsrade 18-23“ insgesamt.

Dies liegt zum einen daran, daß im Laufe des Jahres auf einem Teil des Geländes mehrere Gebäude errichtet worden sind – bzw. zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes noch errichtet werden – , zum anderen daran, daß auch die Anteile des Geländes, auf denen gemäß Bebauungsplan die Natur hätte bewahrt bleiben sollen, auf Anweisung des Investors (oder „Vorhabenträgers“, wie es im Bürokratendeutsch heißt) weiträumig verwüstet und niedergemäht wurden, wie auf diesem Blog ausführlich dokumentiert worden ist.

Parzelle 556 ist vergleichsweise noch glimpflich davongekommen, wenn auch diverse Bäume und Gehölze gefällt wurden. Die Spuren der Kettenfahrzeuge, die im November 2020 wiederholt durch die Parzelle gerollt waren (und dabei die Gründüngung auf Grabungsareal I zerstört hatten), sind im Laufe des Sommers von der sich erholenden Natur überwuchert worden. Gärtnerisch (wie auch archäologisch) war das Jahr jedoch, aufgrund der beständigen Störungen seitens der benachbarten Großbaustelle, weitgehend unergiebig.

Dennoch zeige ich im Folgenden einige Photos, um den Zustand der Parzelle zu illustrieren.

Die einzige ernstliche gärtnerische Tätigkeit bestand darin, daß in eine schon im Jahr 2017 entstandene Lücke in der südlichen Hecke junge Weißdornpflanzen gepflanzt wurden. Im Hintergrund ist der Baustellenzaun zu sehen.
Der Baustellenzaun wurde im Frühjahr nach und nach durch einen fest verankerten Stabgitterzaun ersetzt. Das Bild zeigt Grabungsareal II mit dem Stumpf eines Holunderbaumes, der den Verwüstungen vom November 2020 zum Opfer gefallen war.
Parzelle 556 im April 2021, Blickrichtung nach Osten: Durch die Baustellentätigkeit, die auf diesem Bild auf der rechten Seite durch hohe Erdanhäufungen erkennbar ist, wurde die Parzelle im Frühjahr monatelang unter Wasser gesetzt. Während der Apfelbaum (Mitte) darunter schwer gelitten hat, ist die rotblättrige Kirschpflaume (links) über und über von Blüten bedeckt; später hat sie dann reiche Frucht getragen, wie das nächste Bild zeigt.
Auf diesem Bild vom Juni 2021 verdecken Blätter und Früchte der rotblättrigen Kirschpflaume dezent die im Hintergrund aufragenden Baumaschinen; ferner ist erkennbar, daß auch zu diesem Zeitpunkt Teile der Parzelle noch unter Wasser standen.
Parzelle 556 im September 2021, Blickrichtung nach Osten: Das Wasser ist endlich versickert, und die Vegetation hat sich von den Verwüstungen vom November 2020 zumindest oberflächlich erholt. Auf der Großbaustelle sind inzwischen klotzige Gebäude errichtet worden.
Parzelle 556 im Mai 2021, Blickrichtung nach Westen
Parzelle 556 im September 2021, Blickrichtung nach Westen
Blühende Lupinen in Parzelle 556, Juni 2021
Wiesenblumen (genauer weiß ich es nicht) in Parzelle 556, September 2021

Anmerkungen zur „Gender-gerechten Sprache”

Es ist oft beobachtet worden, daß Länder, deren Bevölkerung sich im Wesentlichen aus zwei ethnischen Gruppen zusammen setzt (wie etwa Belgien oder Kanada, aber auch Südafrika), viel größere Probleme bezüglich des Zusammenlebens dieser Gruppen haben als Länder, bei denen es drei oder mehr ethnische Gruppen sind. Der Grund ist offensichtlich: Von zwei Gruppen wird sich immer eine als benachteiligt fühlen, in politischer oder wirtschaftlicher oder sonstiger Hinsicht, und sie wird sich daher mit dem Gedanken der Abspaltung beschäftigen. Hingegen kann bei mindestens drei Gruppen ähnlicher Größe die Dominanz einer einzelnen Gruppe zumeist durch ein Zusammengehen der anderen Gruppen verhindert werden.

Nun gefiel es dem Allmächtigen, die gesamte Menschheit in zwei Gruppen einzuteilen: als Mann und Frau erschuf er uns. Diese beiden Gruppen sind von Natur aus zur Koexistenz und mehr noch, zum Zusammenleben verurteilt; Abspaltung ist keine Option, wenn die Menschheit nicht aussterben soll. Also besteht die Herausforderung darin, Gesellschaften zu errichten, die die Gleichberechtigung der beiden Geschlechter realisieren. Verkompliziert wird die Situation noch dadurch, daß es Menschen gibt, die es ablehnen, zu einer dieser beiden Gruppen zu gehören, i.e., die eine nicht-binäre Geschlechtsidentität haben.

In der Vergangenheit betonten viele Gesellschaften den Unterschied zwischen Mann und Frau, und dies nicht nur in Bezug auf die bevorzugte Farbe für Babykleidung; das ging soweit, daß manche Schulen getrennte Eingänge für Mädchen und Jungen aufwiesen [3], etwa so wie es im südafrikanischen Apartheidsregime in öffentlichen Parks getrennte Sitzbänke für Schwarz und Weiß gab. Ebenso unterscheiden viele Sprachen zwischen Mann und Frau, etwa durch ein grammatisches Geschlecht (Genus); im Japanischen bestehen sogar für das Personalpronomen „ich” unterschiedliche Wörter, je nach dem (biologischen) Geschlecht des Sprechers.

Mit der sprachlichen Unterscheidung ging eine Hierarchie einher, üblicherweise zum Nachteil der Frauen: Die Männer waren „Bürger” und damit stimmberechtigt, die Frauen nicht. Im Zuge der allmählichen Einführung des Frauenstimmrechtes in der Schweiz, die erst im Jahre 1990 abgeschlossen war, strebten die Schweizer Frauen an, ebenfalls als „Bürger” anerkannt zu werden, mit Hinweis darauf, daß der Begriff „Bürger” in der deutschen Sprache Menschen beiderlei Geschlechtes beinhalte. Es waren die Gegner des Frauenwahlrechtes, die aber zu argumentieren versuchten, mit dem Begriff „Bürger” seien keine Menschen weiblichen Geschlechts gemeint: Was der „Bürger” darf, darf die „Bürgerin” noch lange nicht [2].

Ähnlich wie beim Schweizer Engagement für das Frauenstimmrecht ist die Position des britischen Feminismus, der in der Unterscheidung männlicher und weiblicher Berufsbezeichnungen einen Ausdruck der Diskriminierung der Frauen sieht. Demzufolge sollen die entsprechenden Begriffe, wie beispielsweise „actress” für „Schauspielerin”, nicht mehr verwendet werden, sondern auch der weibliche Schauspieler soll darauf Wert legen, als „actor” bezeichnet zu werden [2]. In einigen Fällen wird dieser Schritt auch in umgekehrter Richtung vollzogen, etwa bei Berufen, die früher fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wurden, wie etwa „nurse” für „Krankenschwester”; hier soll der zusammengesetzte Begriff „male nurse” vermieden werden [2].

Bekanntlich verbreitet sich im deutschen Sprachraum zunehmend die entgegengesetzte Position, derzufolge es gerade Ausdruck von Diskriminierung sei, beispielsweise weibliche Schauspieler mit unter den Begriff „Schauspieler” einzuordnen; stattdessen soll, bei gemischten Gruppen, explizit von „Schauspielern und Schauspielerinnen” gesprochen werden, und weil das so ausufernd lang ist, schreibt man dann nur die weibliche Form, und stellt vor die Endung „-innen” irgendein Sonderzeichen ohne eigene phonetische Qualität, etwa ein Sternchen, einen Doppelpunkt, oder einen Unterstrich. Die Wahl eines Sternchens scheint von den „Wildcards” der Computerprogrammierer inspiriert worden zu sein; mit etwas Phantasie und gutem Willen kann man sich dann vorstellen, daß mit diesem Symbol auch noch die Existenz nicht-binärer Geschlechtsidentitäten berücksichtigt wäre.

Die Formulierung, die Verwendung dieser „Gender-gerechten” Sprache verbreite sich zunehmend, ist eine offensichtliche Untertreibung, eher muß man sagen, sie ist in erheblichen Teilen der Gesellschaft nahezu schon zu einem Standard geworden; selbst Verwaltungen, Universitäten und staatliche Medien verwenden sie. Von einem modernen, zivilisierten Menschen wird erwartet, schriftlich wie mündlich zu „gendern”, und die Nichtbefolgung dieser ungeschriebenen Regel wird zunehmend mit Mißbilligung registriert.

Am weitesten „fortgeschritten” sind wie üblich die sozialen Medien; wer auf Facebook versehentlich mal an einer Stelle den Gender-Stern vergessen hat, kann sich im Handumdrehen einen ruppigen Rüffel seitens irgendeines engagierten Sprach-Polizisten einfangen. Und wer sich gar offen gegen Gender-Sprache ausspricht, wird inzwischen bereits so behandelt, als hätte er sich aktiv dafür ausgesprochen, dem weiblichen Teil der Bevölkerung die Bürgerrechte wieder komplett abzuerkennen. Außerdem lehnt doch auch die AfD Gender-Sprache ab, also muß jeder Kritiker der Gender-Sprache ein verkappter Rechtsextremer sein.

Verstörend an diesem Konflikt ist das fast völlige Fehlen von Sachargumenten. Das oben erwähnte Beispiel der britischen Feministen zeigt doch, daß explizite Betonung weiblicher Sprachformen keine zwingende Notwendigkeit auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Geschlechter ist. Die faktische Verweigerung von auf Argumenten basierender Diskussion thematisierte der SPD-Politiker Wolfgang Thierse in seiner Kritik der Identitätspolitik, die im Februar 2021 in der FAZ erschien, auch im Hinblick auf „Reglementierungen von Sprache per Anordnung oder per Verboten” [4]. Die Reaktionen auf Thierses Text fielen teils heftig aus, „reaktionär” und „neurechter Sprech” gehören noch zu den vergleichsweise harmlosen Kommentierungen. Selbst die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken äußerte sich „beschämt über die Aussagen einzelner Vertreter*innen der SPD”, die ein „rückwärtsgewandtes Bild der SPD” zeichneten. Thierse bot daraufhin an, die Partei zu verlassen.

Aber ist es wirklich die echte Überzeugung, Gender-Sprache stelle eine wertvolle Errungenschaft dar, welche zu diesen heftigen, aggressiven Reaktionen führt? Oder ist es nicht vielleicht eher die Befürchtung, man könne selbst das Opfer des nächsten öffentlichen Shitstorms werden, wenn man es an Engagement für die Gender-Sprache fehlen läßt? Auf einem nicht von Argumenten, sondern von einem simplen Richtig-Falsch-Schema geprägten Spielfeld entwickeln sich Verhaltensweisen, die man sonst eher von Gesellschaften kennt, die auf einer unantastbaren Staatsideologie aufgebaut sind. Tatsächlich hat die Gender-Sprache keine demokratische Legitimation, vielmehr wird sie in repräsentativen Umfragen von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands abgelehnt, übrigens auch von einer Mehrheit der Frauen [5].

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek (die sich selbst als „Schriftsteller” betrachtet und bei Veranstaltungen nicht als „Gästin” bezeichnet werden möchte) vertritt die Ansicht, daß Gender-Sprache selbst sexistisch sei, eben weil sie nicht die Gleichheit der Geschlechter betone, sondern deren Verschiedenheit [2], und tatsächlich bedeutet das Verb „diskriminieren” im Kern ja nichts anderes als „unterscheiden”. Pollatschek nervt dieses ihr aufgezwungene „Dauerfrausein”, sie möchte nicht in einem fort daran erinnert werden, daß sie eine Frau ist; im Grunde genommen findet sie, dieses persönliche Detail gehe keinen etwas an. Man kann ja auch schwul, jüdisch, stark pigmentiert, etc. sein, ohne daß diese Privatinformationen ständig in die Sprache integriert werden müßte, mit der man angesprochen wird. Den Anhängern der Gender-Sprache geht es immer um das „Sichtbarmachen” der Frauen, aber merkwürdigerweise haben sie noch nie vorgeschlagen, die Sprache zu verändern, damit auch Schwule, Juden, Schwarze, etc. sichtbarer werden. Begriffe wie „Schriftstellerjude” oder „Schwarzgast” fühlten sich dann doch „verdammt falsch an”, bemerkt Pollatschek [2].

Ähnlich äussert sich der Sexualforscher Kurt Starke: „In beliebigen Zusammenhängen und Situationen wird (…) nur eine Untergruppe zuungunsten aller anderen hervorgehoben und – auf individueller Ebene – die Gesamtpersönlichkeit auf das Geschlecht reduziert ( … durch gendergerechte Sprache wird) die alte Geschlechtertrennung zementiert und die Unversöhnlichkeit der beiden Geschlechter zum Konzept gemacht” [3].

Die Journalistin Franziska Augstein weist darauf hin, daß allein durch Einführung der Gender-Sprache die real existierende Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft nicht überwunden wird: „Frauen aller Berufe verdienen im Schnitt weniger als Männer. Dem wird die von Wohlmeinenden geforderte verbindliche Sternchen-Schreibweise nicht abhelfen. Gesellschaftliche Veränderungen geschehen nicht, weil Interessengruppen das wünschen, und schon gar nicht geschehen sie mittels sprachlicher Verordnungen (…) Die Gleichstellung mittels Sprachpolizei durchsetzen zu wollen, ist eine schlechte Idee” [1].

Pollatschek fügt spöttisch hinzu: „Mag sein, dass die Gender-Pay-Gap im D-A-CH-Raum höher ist als in fast allen anderen europäischen Ländern und sich daran seit fünfundzwanzig Jahren kaum was ändert, aber dafür wird in irgendeinem Provinzamt jetzt gegendert” [2].

Pollatschek wünscht sich eine Welt, in der die Sprache nicht mit sexuellen Informationen – oder sonstigen persönlichen Informationen – aufgeladen wird. Ein Begriff wie „Bundeskanzler” solle (wieder) als geschlechtsneutral verstanden werden, ebenso wie im Englischen der Begriff „prime minister” mit völliger Selbstverständlichkeit auf männliche wie weibliche Inhaber dieses Amtes angewandt wird [2]. Auch nach Ansicht von Starke sei ein Begriff wie „der Leser” an sich ein Allbegriff, in dem bereits beide Geschlechter enthalten seien, ebenso wie in Begriffen wie „der Mensch”, „die Person” oder „das Kind” keine Einschränkung auf eines der Geschlechter vorliege, ungeachtet des jeweiligen grammatischen Geschlechtes [3].

Schließlich verweist Pollatschek auf ein positives Beispiel dafür, wie es dem Sprachwandel gelungen ist, eine implizite persönliche Information von einem Begriff der deutschen Sprache zu entfernen: Noch in den 1950er Jahren bedeutete die Anrede „Frau Müller”, daß wir es mit einer verheirateten Frau zu tun hatten, denn wäre sie unverheiratet, so hätte sie „Fräulein Müller” geheißen [2]. Per Erlaß wurde 1972 in der Bundesrepublik endgültig die Bezeichnung „Fräulein” offiziell abgeschafft, so daß der Familienstand nun auch bei Frauen Privatsache ist, wie er es bei Männern schon zuvor war.

Aus den in diesem Artikel aufgeführten Gründen – und nicht aus „rückwärtsgewandter” Einstellung, oder aus vermeintlicher Nähe zur AfD und ähnlichen Gruppierungen – werde ich auf diesem Blog auch weiterhin davon Abstand nehmen, Gender-Sprache zu verwenden.

Literaturverzeichnis

[1] Franziska Augstein: Post von Augstein: Sie, er, es. Spiegel-Online, 24.4.2021

[2] Nele Pollatschek: Gendern macht die Diskriminierung nur noch schlimmer. Der Tagesspiegel, 30.8.2020

[3] Kurt Starke: Jenseits von Geschlecht. der Freitag 3/2021

[4] Wolfgang Thierse: Wie viel Identität verträgt die Gesellschaft? Franfurter Allgemeine Zeitung, 22.2.2021

[5] Mehrheit der Deutschen lehnt gendergerechte Sprache ab. dpa-infocom, dpa:210523-99-710531/2 , 23.5.2021

Baumverluste auf den Maßnahmen- flächen A1, A2 und A3 an der Höffner-Baustelle zwischen November 2020 und Januar 2021

Für das (ehemalige) Kleingartengelände „Prüner Schlag 10-18 / Brunsrade 18-23”, Kiel, wurde 2012 ein Baumkataster angelegt, welches in den Folgejahren gelegentlich aktualisiert wurde, zuletzt am 16.-18. November 2020 und im Januar/Februar 2021. Die dabei angelegten Karten und Tabellen sind in dem Gutachten „NACHBILANZIERUNG für die Maßnahmenflächen A1- A3” des Büro ipp vom März 2021 enthalten, jedoch enthalten sie Einträge verschiedener sukzessive mit diesen Arbeiten beauftragter Büros; dabei sind die Einträge manchmal nicht eindeutig, und es bestehen Diskrepanzen zwischen Karten und Tabellen.

Ferner liegen uns eine Anzahl von Luftbildern jeweils vom 1. November 2020 und vom 27. November 2020 vor, anhand derer sich belegen läßt, daß im Verlaufe des November 2020 ein Großteil der Vegetation auf den Maßnahmenflächen zerstört wurde, inklusiver zahlreicher Bäume.

Das ipp-Gutachten stellt auf Seite 4 fest: „Allerdings sind Bäume durch das Büro Grimm noch im November 2020 erfasst worden die im Januar nicht angetroffen wurden.” Uns geht es hier im Wesentlichen um genau diejenigen Bäume, die bei der am 16.-18. November 2020 vorgenommenen Aktualisierung noch vorhanden waren, im Januar/Februar 2021 aber fehlten. Konkret wird der Verbleib von 28 Bäumen untersucht (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Gültigkeitsbereich des Bebauungsplanes 988: ehemalige Kleingartenanlagen „Prüner Schlag 10-18 / Brunsrade 18-23”; die Maßnahmenflächen sind grün markiert, die Baufläche Orange. Die Standorte der Bäume, deren Verbleib untersucht wird, sind durch die entsprechenden Nummern (gemäß Baumkataster) in Violett markiert.

Die Tabellen des Gutachten weisen auf fehlende Bäume durch rote oder orange Markierung hin. Dabei bedeutet Rot „bereits vor 2015 gefällt” und Orange „ausgehend von dem Stand 2015 aktuell nicht mehr im Gelände vorhanden”. Zusätzlich finden sich Einträge wie „fehlt aktuell” und „fehlt in 2021”, wobei diese sowohl bei orange markierten, als auch bei unmarkierten Bäumen auftreten können. Das Büro ipp hat auf unsere Nachfrage in Bezug auf die genaue Bedeutung dieser Einträge auf den Auftraggeber des Gutachters, die Fa. Krieger in Berlin, bzw. auf das Bau- und Umwelt­dezernat der Stadt Kiel verwiesen.

Maßnahmenfläche A1

Das Baumkataster erfaßt auf dieser Fläche 101 Bäume, von denen 4 bereits vor 2015 gefällt wurden und weitere 18 bis November 2020 verschwanden. 6 Bäume sind in der Tabelle als „fehlt in 2021” markiert. Dies sind:

K14 (Kirsche): Dieser Baum ist vorhanden (Abb. 2), und auch in der Tabelle ist entsprechend hinter „fehlt in 2021” das Wort „Bestand” gesetzt. Auch in der Karte ist er als „vorhanden” verzeichnet.

Abb. 2: Baum K14, Parzelle 259, Brunsrade 18-23 (Aufnahme vom 9.5.2021)

K43 (Apfel): Am angegebenen Standort (Parzelle 249, Brunsrade 18-23) sind keine Spuren eines gefällten Baumes zu erkennen (siehe auch Abb. 6).

K59 (Kirsche): Der angegebene Ort steht teilweise unter Wasser. Es sind noch Stamm- und Astreste eines Kirschbaumes zu sehen (Abb. 3), nicht aber die Stelle, an der er ursprünglich stand.

Abb. 3: Mutmaßliche Reste von Baum K59, Parzelle 276, Brunsrade 18-23 (Aufnahme vom 9.5.2021)

K65 (Rotfichte): Dieser Baum ist verschwunden, er wurde offenbar mit schwerem Gerät aus dem Boden gerissen; es sind noch Reste der Wurzeln sichtbar, die eine eindeutige Identifizierung erlauben (Abb. 4). In der Karte des Gutachtens scheinen K65 und K66 (Rotbuche) vertauscht eingetragen worden zu sein, siehe auch die Luftbilder Abb. 5 und Abb. 6.

Abb. 4: Spuren von Baum K65, links dahinter eine Thuja, rechts dahinter ein Kirschlorbeer (Aufnahme vom 9.5.2021)
Abb. 5: Dieser Ausschnitt aus einem Luftbild vom 1.11.2020 zeigt in der linken Hälfte die Rotfichte K65, links davor die Thuja (siehe Abb. 4), rechts dahinter eine weitere Rotfichte (K39).
Abb. 6: Auf diesem Ausschnitt aus einem Luftbild vom 27.11.2020 ist die Rotfichte K65 verschwunden. In der Mitte des Bildes die Lärche K69, rechts davon der Kirschlorbeer (siehe Abb. 4), über der Lärche die Thuja (siehe Abb. 4), rechts neben der Thuja der trockengefallene Folienteich T38.

K68 (Apfel): Am angegebenen Ort sind keine Spuren eines Apfelbaumes zu erkennen. Die Karte scheint in diesem Bereich fehlerhaft (Abb. 7): Lt. Karte stehen direkt neben dem (trockengefallen­en) Folienteich T38 (Parzelle 234, Brunsrade 18-23) die Bäume K67 (Apfel) und K68, und etwas weiter nördlich eine Thuja; weiter nördlich hinter der Baggerspur steht dann K69 (Europ. Lärche). In Wirklichkeit steht aber die Thuja an der Stelle von K67 und die Lärche an der Stelle der Thuja (vgl. Abb. 6). Neben der Thuja sind keine Spuren eines kürzlich gefällten Baumes zu sehen.

Abb. 7: Ausschnitt aus der Karte des Gut­achtens, Parzellen 247-249 (oben) sowie 234 und 235 (unten), Brunsrade 18-23, mit falsch eingetragener Thuja (vgl. Abb. 6)

K70 (Pflaume): Am angegebenen Ort sind keine Spuren eines Pflaumenbaumes zu erkennen, dafür aber ein umgekippter Holunder (Abb. 8). Die Tabelle gibt den benachbarten, nicht mehr vorhan­denen Baum K71 als „Holunder, Hochstamm” an. Vertauscht die Karte also K70 und K71 (vgl. Abb. 7)?

Abb. 8: hypothetischer Standort von Baum K70 an der Grenze der Parzellen 233 und 250, Brunsrade 18-23, mit umgekipptem Holunder

Anmerkung zu den Bäumen K35 (Rotfichte) und K39 (Rotfichte), die in der Erfassung vom 16.-18.11.2020 schon nicht mehr vorhanden waren (Parzelle 247, Brunsrade 18-23): Diese Bäume wurden im November 2020 professionell mit Motorsäge gefällt, also im Zeitraum der Rodungsarbeiten der Firma L. auf den Maßnahmenflächen, wie durch Beobachtung der frischen Stümpfe mit Sägespänen gesichert ist; unverständlicherweise enthält die Tabelle des Gutachtens für beide Bäume dennoch die Bemerkung „Vandalismus?”

Maßnahmenfläche A2

Das Baumkataster erfaßt auf dieser Fläche 237 Bäume, von denen 52 bereits vor 2015 gefällt wurden und weitere 24 bis November 2020 verschwanden. 6 Bäume sind in der Tabelle als „fehlt in 2021” markiert; 5 weitere sind als „fehlt aktuell” markiert. Dies sind:

H30a (Apfel), H30b (Apfel): Von diesen beiden Bäumen auf den Parzellen 571/572, Prüner Schlag 10-18, sind keine Spuren mehr zu finden (Abb. 9). Es ist möglich, daß ein im Februar 2017 aufge­nommenes Photo zeigt, wie der Baum H30a gefällt wird (Abb. 10). Bereits damals wurde dieser Bereich restlos gerodet, obwohl er teilweise in den Maßnahmenflächen liegt.

Abb. 9: Derzeitiger Zustand des Standortes von Baum H30a und Baum H30b (Aufnahme vom 10.5.2021). Links die Höffner-Baustelle.
Abb. 10: Rodungsarbeiten in Parzelle 572, Prüner Schlag 10-18, aufgenommen im Februar 2017

H32 (Apfel): möglicherweise ein seit längerem abgestorbener Baum, dessen Reste noch vorhanden sind.

H31alt (Apfel): nicht in Karte verzeichnet, daher nicht aufzuklären

H41 (Kirsche): Dieser Baum ist verschwunden, er wurde offenbar mit schwerem Gerät aus dem Boden gerissen; es sind noch Reste der Wurzeln sichtbar (Abb. 11). In der Karte scheinen H41 und H40 (Apfelbaum) vertauscht eingetragen worden zu sein.

Abb. 11: Spuren von Baum H41, Parzelle 565, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 10.5.2021)

H63 (Weide): verschwunden, offenbar mit schwerem Gerät aus dem Boden gerissen (Abb. 12).

Abb. 12: Spuren von Baum H63, Parzelle 560, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 10.5.2021)

H65 (Birne): Standort ist derzeit überflutet, daher nicht aufzuklären.

H96 (Pflaume): nicht in der Karte des Gutachtens enthalten, aber in den Karten des Bebauungs­planes von 2014 ist ein Baum mit dieser Nummer verzeichnet. Am entsprechenden Standort sind keine Spuren eines kürzlich gefällten Baumes erkennbar (Abb. 13).

Abb. 13: hypothetischer Standort von Baum H96, Parzelle 483, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 11.5.2021)

H115 (Kirsche), H116 (Pflaume): Von diesen beiden Bäumen sind keinerlei Spuren mehr auffindbar (Abb. 14), allerdings haben an ihrem Standort kürzlich Erdarbeiten stattgefunden (Stand 9.5.2021). Abb. 15 zeigt einen Ausschnitt aus der Karte des Gutachtens, aus welchem die ursprünglichen Standorte dieser beiden Bäume ersichtlich sind. Aus Luftbildern geht hervor, daß dieser Bereich Anfang November 2020 noch dicht bewachsen war, während er Ende November 2020 bis auf eine einzelne Thuja vollständig gerodet war (Abb. 16 / 17).

Abb. 14: Derzeitiger Zustand des Standortes von Baum H115 und Baum H116 (Aufnahme vom 8.5.2021). Links eine einzeln stehende Thuja, im Hintergrund die Höffner-Baustelle.
Abb. 15: Ausschnitt aus der Karte des Gut­achtens, Parzellen 430-435, Prüner Schlag 10-18, mit einzeln stehender Thuja (vgl. Abb. 14) und den Standorten der verschwundenen Bäumen H115 und H116.
Abb. 16: Auf diesem Ausschnitt aus einem Luftbild vom 1.11.2020 stehen im Bereich von Baum H115 und Baum H116 vielfältige Bäume und Gebüsche. Die einzeln stehende Thuja ist links der Mitte erkennbar.
Abb. 17: Auf diesem Ausschnitt aus einem Luftbild vom 27.11.2020 sind Baum H115 und Baum H116 sowie die Gebüsche verschwunden; die einzeln stehende Thuja ist deutlich erkennbar. Auf der rechten Seite sieht man den grossen Haufen von Schnittgut, der in der Karte des Gutachtens (Abb. 14) als „Haufwerk A2a” verzeichnet ist.

H133 (Apfel): Dieser Baum ist vorhanden, und auch in der Tabelle des Gutachtens ist entsprechend das Wort „Bestand” gesetzt. Auch in der Karte ist er als „vorhanden” verzeichnet. Er scheint allerdings vollkommen abgestorben zu sein (Abb. 18).

Abb. 18: Baum H133, Parzelle 394, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 10.5.2021)

H143 (Apfel): verschwunden, offenbar mit schwerem Gerät aus dem Boden gerissen (Abb. 19).

Abb. 19: Spuren von Baum H143, Parzelle 389, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 10.5.2021)

H145 (Baumweide): am in der Karte des Gutachtens verzeichneten Standort sind Arbeitsspuren zu sehen, jedoch kein klarer Hinweis auf einen kürzlich gefällten Baum (Abb. 20).

Abb. 20: hypothetischer Standort von Baum H145,Parzelle 389, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 10.5.2021). Im Hinter­grund die Höffner-Baustelle.

In der Umgebung von H143 sowie weiter östlich in MaßnahmenflächeA2 fallen einige frische Baumstümpfe auf, die in der Tabelle des Gutachtens nicht als „nach 2016 verschwunden” erfaßt sind; zwei Beispiele sind in Abb. 21 gezeigt, auf einem Photo, das in dem Monat aufgenommen wurde, in dem die Fällungen stattfanden.

Abb. 21: frische Baumstümpfe, Parzelle 267, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 28.11.2020)

Maßnahmenfläche A3

Das Baumkataster erfaßt auf dieser Fläche 53 Bäume, von denen 15 bereits vor 2015 gefällt wurden und weitere 8 bis November 2020 verschwanden. 4 Bäume sind in der Tabelle als „fehlt in 2021” markiert; 5 weitere sind als „fehlt aktuell” markiert. Dies sind:

G3 (Pflaume): Dieser Baum ist vorhanden, so daß die Eintragung „fehlt aktuell” in der Tabelle irrig ist (Abb. 22).

Abb. 22: Baum G3, Parzelle 535, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 11.5.2021)

G4 (Apfel): am in der Karte verzeichneten Standort ist kein klarer Hinweis auf einen kürzlich gefällten Baum zu sehen (Abb. 23).

Abb. 23: Derzeitiger Zustand des Standortes von Baum G4, Parzelle 535, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 9.5.2021)

G7 (Kirsche): am in der Karte verzeichneten Standort finden sich drei Bäume, sowie Spuren zweier kürzlich ausgerissener Bäume oder Sträucher. Die Tabelle verzeichnet hinter „fehlt in 2021b” das Wort „Bestand” (Abb. 24).

Abb. 24: Baumgruppe mit Baum G7 in Parzelle 500, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 11.5.2021). Im Hinter­grund die Höffner-Baustelle.

G15 (Apfel): verschwunden, vermutlich mit schwerem Gerät aus dem Boden gerissen, aber keine klaren Spuren (Abb. 25).

Abb. 25: ungefährer Standort von Baum G15,Parzelle 457, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 9.5.2021)

G16 (Kirsche): Dieser Baum ist vorhanden, so daß die Eintragung „fehlt aktuell” in der Tabelle irrig ist (Abb. 26).

Abb. 26: Baum G16,Parzelle 457, Prüner Schlag 10-18(Aufnahme vom 11.5.2021). Der niedrige Baum hinter G16 ist M233 (Spitzahorn, siehe Abb. 28). Im Hintergrund die Höffner-Baustelle.

G17 (Ahorn): verschwunden, offenbar mit schwerem Gerät aus dem Boden gerissen (Abb. 27).

Anmerkung: Dieser Baum fehlt im Bebauungsplan, welcher die Nummer G17 stattdessen für einen Apfelbaum vergibt (jetzt G17b), der noch vorhanden ist (siehe Abb. 27). Für den Umfang von G17 wird für das Jahr 2012 120 cm und für das Jahr 2021 56 cm angegeben, so daß die Angabe für 2012 falsch sein muß. Er wird wohl im Jahr 2012 noch zu klein gewesen sein, um erfaßt zu werden.

Abb. 27: Spuren von Baum G17, Parzelle 456, Prüner Schlag 10-18, dahinter Baum G17b, rechts Baum G17a (Aufnahme vom 9.5.2021). Im Hintergrund die Höffner-Baustelle.

G18 (Apfel): Situation unklar. Der Bebauungsplan zeigt an dieser Stelle (Parzelle 455, Prüner Schlag 10-18) drei Bäume, G17, G18 und G19, wobei letzterer in Rot markiert ist, was bedeutet, daß er im Zuge der Bebauung gefällt werden darf (siehe Abb. 28 links). Dementsprechend führt die Tabelle des Gutachtens G19 als „vor 2015 gefällt” mit dem Zusatz „Baufeld Zufahrt”. Die Karte des Gutachtens zeigt aber wieder drei Bäume, G17a, G17b und G18 (siehe Abb. 28 rechts); die Tabelle führt G18 als „fehlt in 2021”. Am fraglichen Ort stehen tatsächlich zwei Apfelbäume (siehe Abb. 27), es sind aber keine Spuren sichtbar, daß kürzlich ein weiterer gefällt worden wäre (Abb. 29).

Abb. 28: Ausschnitt aus der Karte des Bebauungsplanes 988 (links), sowie Ausschnitt aus der Karte des Gutachtens, jeweils Parzellen 454-456, Prüner Schlag 10-18, mit Standorten der verschwunde­nen Bäume G15, G17 und G18. Jeweils links in den Ausschnitten ist ein Rondeel zu sehen, welches zu einem der Wege durch die ehemalige Kleingartenanlage gehörte, bepflanzt mit Baum M233 (Spitzahorn); siehe auch Abb. 26 und Abb. 27. Jeweils rechts ist die Zufahrt zum Gelände der „Großen Grünen Schützengilde von 1412” zu sehen.
Abb. 29: Baum G17a, Parzelle 455, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 9.5.2021). Baum G18 müßte sich rechts davon befunden haben. Im Hinter­grund die Höffner-Baustelle.

Luftbilder zeigen, daß noch am 1.11.2020 in diesem Bereich, leicht nördlich vom hypothetischen Standort von G18, ein hoch gewachsener immergrüner Baum stand, vermutlich eine Thuja (Abb. 30); am 27.11.2020 war er verschwunden (Abb. 31). Auch von dieser Baumfällung sind keine Spuren mehr sichtbar.

Abb. 30: Auf diesem Ausschnitt aus einem Luftbild vom 1.11.2020 ist im Bereich der Parzellen 454 und 455, Prüner Schlag 10-18, ein hoch gewachsener immergrüner Baum sichtbar, vermutlich eine Thuja. Vorne links die Absperrung zur Höffner-Baustelle.
Abb. 31: Auf diesem Ausschnitt aus einem Luftbild vom 27.11.2020 ist der hoch gewachsene immer­grüne Baum von Abb. 30 verschwunden. Oben links ist die Zufahrt zum Gelände der Großen Grünen Schützengilde von 1412” erkennbar.

M122 (Kirsche): Am in der Karte verzeichneten Standort sind Arbeitsspuren zu sehen, jedoch keine klaren Spuren eines kürzlich gefällten Baumes (Abb. 32).

Abb. 32: Derzeitiger Zustand des Standortes von Baum M122, Parzelle 409, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 13.5.2021). Im Hinter­grund die Höffner-Baustelle.

M124 (Sandkiefer): verschwunden, vermutlich mit schwerem Gerät aus dem Boden gerissen (Abb. 33).

Abb. 33: Spuren von Baum M124, Parzelle 409, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 13.5.2021). Im Hintergrund das Gelände der „Großen Grünen Schützengilde von 1412”.

Fazit

Die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen sich zusammenfassen wie folgt. 28 Einträge aus dem Baumkataster wurden überprüft; bei 15 dieser Bäume erscheint es sicher, daß sie im Verlaufe des Novembers 2020 gefällt wurden, und zwar in der Mehrheit der Fälle vermutlich durch einen mit einer Greifklaue ausgerüsteten Bagger, wie er auf dem Gelände tatsächlich beobachtet wurde (Abb. 34).

Abb. 34: Bagger / Kettenfahrzeug mit Greifklaue, gesehen auf Maßnahmenfläche A1 (Aufnahme vom 11.11.2020).

Vier der 28 überprüften Bäume sind aktuell noch vorhanden, im Widerspruch zu den Eintragungen „fehlt aktuell” oder „fehlt in 2021” in der Tabelle des Gutachtens. In den 9 verbleibenden Fällen kann keine Entscheidung getroffen werden.

Die uns vorliegenden Informationen erlauben es nicht, genauer festzustellen, wann im November 2020 die einzelnen Bäume gefällt wurden; insbesondere kann nicht bestimmt werden, ob dies vor oder nach dem 11.11.2020 (i.e., nach dem Ortstermin der Unteren Naturschutzbehörde) geschah. Der Kronzeuge dafür, daß tatsächlich ein Teil der Bäume nach diesem Stichtag gefällt wurde, bleibt die Aussage des Gutachtens „Allerdings sind Bäume durch das Büro Grimm noch im November 2020 erfasst worden die im Januar nicht angetroffen wurden.” Hier wäre es interessant, ob das Büro Grimm bei seiner Arbeit vom 16.-18.11.2020 Photos angefertigt hat.

Weitere Anmerkungen:

  • Die Gesamtanzahl der im November 2020 gefällten Bäume, die nach Baumschutzverord­nung geschützt waren, liegt vermutlich höher als die im Gutachten angegebenen 42, da mehrere frische Baumstümpfe dokumentiert wurden, teils direkt noch im November 2020 (siehe Abb. 21), die auf den Karten und in den Tabellen des Gutachtens nicht verzeichnet sind.
  • Hinweise auf durch „Vandalismus” gefällte Bäume wurden nicht gefunden, es sei denn, die Täter hätten sich professioneller Ausrüstung bedient.
  • Allgemein ist der gegenwärtige Zustand vieler der noch vorhandenen Bäume eher schlecht, manche sind ganz abgestorben. Dies ist zu einem Teil eine Folge der nach Aufgabe der ursprünglichen Kleingärten ausgebliebenen Pflege, aber sicherlich auch eine Folge der Rodungsarbeiten vom November 2020 (Eingriffe in den Wasserhaushalt des Geländes, Zerstörung von Drainagen, partielle Überschwemmungen, Beschädigung von Wurzeln, Komprimierung des Bodens, Wegfall der Schutzfunktion gefällter benachbarter Bäume und Gehölze gegenüber Wind, etc.). Dies führt auch zu weiteren, nicht auf gezielte Fällung zurückgehenden Baumverlusten, die vermeidbar gewesen wären. Beispielsweise ist Baum M118 (Apfel) anscheinend während des Sturmes vom 4.5.2021 umgestürzt (Abb. 35)
Abb. 35: Baum M118, Parzelle 374, Prüner Schlag 10-18 (Aufnahme vom 9.5.2021)

Stellungnahme, der Bürgerinitiative PROJEKT PRÜNER PARK zum Thema „illegale Zerstörungen auf den Maßnahmenflächen, Baustelle Möbel Höffner“

Stellungnahme zu:

  • Geschäftliche Mitteilung zum Bauvorhaben „Möbel Höffner”, Drs. Nr. 0389/2021
  • Antwort von Stadträtin Grondke auf: „Offener Brief” des PROJEKT PRÜNER PARK vom 25.3.2021
  • Antwort von Stadträtin Grondke auf: „Offener Brief” von J. Brüggemann vom 29.3.2021
  • Antwort von OB Dr. Kämpfer auf: Online-Petition von J. Brüggemann auf change.org
  • Gutachten „Nachbilanzierung für die Maßnahmenflächen” (Bioplan) vom 19.3.2021

Wir begrüßen es, daß sich die Stadt zu der Notwendigkeit einer „raschen und lückenlosen Aufklärung der Geschehnisse” bekennt und erkennbar um bessere Transparenz bemüht ist. Auch den „ausdrücklichen Dank” für unser Engagement registrieren wir positiv und nehmen ihn als Ermunterung, unser Engagement für die Aufklärung der Geschehnisse und den Erhalt des Kieler Grüngürtels weiter zu intensivieren.

Aus den oben genannten, vom Bau- und Umweltdezernat veröffentlichten Dokumenten erfahren wir, dass auch die Teilnehmer des Ortstermins vom 11.11.2020 die – mehrfach für diesen Tag dokumentierten – Bagger auf den Ausgleichsflächen bemerkt haben. Andererseits scheint das Bau- und Umweltdezernat weiterhin auf dem Standpunkt zu stehen, es hätten an diesem sowie den folgenden Tagen nur noch „zulässige Pflegearbeiten (…) und die Anhäufung des bis dahin angefallenen Schnittguts” stattgefunden.

Daß dieser Standpunkt den Tatsachen entspricht, erscheint aber aus folgendem Grund zweifelhaft: Das Bioplan-Gutachten erwähnt Bestandsaufnahmen der Baumbestände vom 16.-18.11.2020, also genau in dem fraglichen Zeitraum, sowie im Januar 2021, und schreibt dazu: „Allerdings sind Bäume durch das Büro Grimm noch im November 2020 erfasst worden die im Januar nicht angetroffen wurden”. Da es unwahrscheinlich ist, daß Anwohner und Spaziergänger heimlich ganze Bäume gefällt und fortgeschafft haben, wäre dies als Hinweis auf weitere illegale Fällungen seitens des Bauherrns zu werten. Um diesen Punkt zu klären, wäre es dringend notwendig, daß die Anhänge (Karten, Photos, Baumlisten) zum Bioplan-Gutachten ebenfalls veröffentlicht werden.

Die nächste offene Frage betrifft die nach Angaben des Bau- und Umweltdezernats am 11.11.2020 erlassene „Verfügung” oder „Aufforderung” mit dem Inhalt, „die illegalen Rodungen sofort einzustellen“. Zunächst einmal legt der Umstand, daß eine solche Verfügung überhaupt für notwendig gehalten wurde, nahe, daß die „unsachgemäßen Arbeiten“ wohl doch noch nicht abgeschlossen waren. Ferner gibt es indirekte Hinweise darauf, daß diese Aufforderung den Bauherrn, bzw. die Bauleitung nicht erreicht hat. Die Kieler Nachrichten schreiben am 29.4. dazu: „Auch an die Kommunikation beim Ortstermin am 11. November gibt es offenbar unterschiedliche Erinnerungen. Grondkes Fachleute beharren darauf, dass die Untere Naturschutzbehörde da jegliche weitere Rodung mündlich untersagt habe. Höffner soll das bestreiten.“

Im Rückblick ist es schwierig herauszufinden, was wirklich geschehen ist. Behörden, Bauherr und ausführende Firmen können sich gegenseitig die Schuld für die gescheiterte oder ausgebliebene Kommunikation zuschieben, ohne daß der Vorgang aufgeklärt werden kann, solange keine zusätzliche Information zugänglich wird, wie sie beispielsweise die für die „illegalen Rodungen“ verantwortliche Gartenbaufirma liefern könnte.

Es ist bedauerlich, daß die Beurteilung des angerichteten Schadens auf den Ausgleichsflächen, wie sie im Bioplan-Gutachten vorgenommen wird, sich in hohem Maße auf „besonders geschützte Tierarten“ beschränkt. Auch wenn keine Tötung von Kammolchen oder Fledermäusen nachge­wiesen werden kann, stellt die fast vollständige Verwüstung eines Gesamtbiotops von über 6 Hektar Ausdehnung, mit ihren unzähligen ökologisch wertvollen Arten, doch einen gravierenden Verstoß gegen den Naturschutz dar, der für die Verantwortlichen zu gravierenden Konsequenzen führen sollte.

Aus dem Gutachten erfahren wir ferner: „Im Sommer 2020 wurde durch die LH Kiel eine aktuelle (Bestands-)Kartierung der Maßnahmenflächen angefordert (…) Das beauftragte Büro JUNG gab gegenüber der LH Kiel zu bedenken, dass die Flächen über lange Jahre nicht gepflegt und damit kaum betretbar waren, so dass eine aktuelle Kartierung keinen Erfolg versprach.” Das heißt im Klartext: Die Absicht, eine Bestandskartierung einer ökologischen Ausgleichsfläche durchzuführen, mit dem Ziel weiterer Entwicklung und Aufwertung, führte zur weitgehenden Zerstörung ebendieser Fläche! Somit hat die LH Kiel diese Zerstörung mitverursacht.

Sehr verärgert sind wir über den Umstand, daß in den vom Bau- und Umweltdezernat erstellten Dokumenten, wie auch in einer Pressemitteilung der SPD-Ratsfraktion, zunehmend von angeb­lichem „Vandalismus“ seitens „Spaziergängern“ und „Erholungssuchenden“ die Rede ist. Es ist vollkommen inakzeptabel, daß hier offenbar versucht werden soll, eine Teilschuld an den Zerstö­rungen auf die Bevölkerung abzuschieben. Hat die das Bau- und Umweltdezernat Daten erhoben, aus denen hervorgehen würde, daß durch die Bevölkerung ökologische Schäden verursacht worden wären, deren Ausmaß auch nur entfernt an die vom Bauherrn verursachten Schäden heranreichen würden?

Das Bioplan-Gutachten führt das Verschwinden der 2013 aufgehängten Vogel- und Fledermaus­kästen „auf Vandalismus“ zurück. Das hat aber mit der heutigen Situation nichts zu tun, weil 2013 die Pächter ihre Parzellen verließen, worauf diese systematisch ausgeplündert wurden, aber nicht von „Spaziergängern“ und „Erholungssuchenden“, sondern von professionellen Gruppen. Auch der im Gutachten erwähnten Aussage eines „Mitarbeiters der Fa. Krieger“, es seien „auch einige Bäume durch Vandalismus (…) gefällt“ worden, kommt keinerlei Beweiskraft zu.

Sehr kritisch ist in diesem Zusammenhang auch die Ankündigung zu bewerten, das Betreten der Fläche komplett zu unterbinden. Es ist doch gerade durch das quasi vollständige Versagen der Umweltbehörden gezeigt worden, daß in dieser Stadt anscheinend die Bevölkerung die Aufgabe, Großbaustellen hinsichtlich des Naturschutzes zu überwachen, selbst in die Hand nehmen muß. Originalzitat: „Bei Hinweisen auf unzulässige Handlungen wäre eine solche Kontrolle unverzüglich erfolgt. Für anlasslose Kontrollen gab es keinen Grund.“ Die Umweltbehörden treten also nur bei Hinweisen (aus der Bevölkerung) in Aktion.

Der anwohnenden Bevölkerung ist durch den Verkauf des Geländes ein großes Grüngebiet fortge­nommen worden, und bis heute besteht Unverständnis darüber, daß 18 Hektar verkauft wurden für ein Bauprojekt, das nur 10-11 Hektar benötigt. Vor diesem Hintergrund sollte die Stadt davon Abstand nehmen, die Fläche vollständig zu sperren; des weiteren sollte sich die Kommunalpolitik mit Priorität darum bemühen, daß Höffner weitere Flächenanteile der Sonderfläche für die Wieder­begrünung frei gibt, wie es auch im Bioplan-Gutachten gefordert wird. Die gesamten Ausgleichs­flächen sollten sodann schnellstmöglich in städtisches Eigentum zurückkehren, wie es im Übrigen auch der Kaufvertrag zuläßt.

Höffner-Skandal: Kieler Stadtverwaltung verstrickt sich in Widersprüche

Gegen Ende Oktober 2020 begann eine Firma für Gartenbau damit, auf 6,2 Hektar ökologischer Ausgleichsfläche, gelegen neben der Baustelle des Möbelmarktzentrums „Höffner“ auf der ehemaligen Kleingartenanlage „Prüner Schlag“, mit schwerem Gerät fast sämtliche Vegetation abzumähen und niederzuwalzen. Seither stellen sich viele Menschen die Frage, wie dies geschehen konnte und warum die zuständigen Behörden es nicht verhindert haben.

In der „Gläsernen Akte“ (auf der Web-Seite der Stadt) ist zu erfahren, daß die Untere Naturschutzbehörde (UNB) am 9.November Kenntnis von diesen Vorgängen erlangte und am 11.November einen Ortstermin durchführte, der von 9 bis 13 Uhr dauerte. In der Antwort auf eine Einwohneranfrage heißt es dazu: „Zu diesem Zeitpunkt waren die unsachgemäßen Arbeiten bereits abgeschlossen.

Da dies nachweislich unzutreffend ist – die „unsachgemäßen Arbeiten” waren am 11.November noch in vollem Gange und dauerten mindestens bis zum 20.November an – , ergibt sich sofort:

FRAGE 1: Wie kann es sein, daß die Teilnehmer des Ortstermins bei einem Aufenthalt von 4 Stunden Dauer die auf dem Gelände tätigen Bagger (mindestens drei Stück) nicht bemerkten? Haben sie wirklich das gesamte Gelände in Augenschein genommen, oder sich doch eher nur mit den vom Westring bzw. Hasseldieksdammer Weg aus leicht einsehbaren Randbereichen begnügt?

Da aber nun festgestellt worden war, daß „unsachgemäße Arbeiten” stattgefunden hatten, wie reagierten die Vertreter der Verwaltung?

In der „Gläsernen Akte“ heißt es dazu: „Die Untere Naturschutzbehörde (hat) die Schäden in Augenschein genommen und am selben Tag Kontakt zur Bauleitung aufgenommen.“ (gemeint ist der 11.November 2020). Gemäß den „Kieler Nachrichten“ sagte Andreas von der Heydt, Leiter des Umweltschutzamtes, in der Bauausschußsitzung vom 25.März 2021, „natürlich habe die Verwaltung am 11.November unmittelbar verfügt, dass die illegalen Rodungen sofort eingestellt werden“.

Da die illegalen Rodungen aber mit unverminderter Intensität fortgesetzt wurden, ergibt sich:

FRAGE 2: An wen genau erging die Verfügung, die illegalen Rodungen sofort einzustellen, auf welchem Wege erging sie, und was genau war ihr Inhalt? Ist etwa mit der Formulierung „Kontakt zur Bauleitung“ ebendiese Verfügung gemeint? Dazu ist anzumerken, daß die Bauleitung im Wesentlichen nur mit den Arbeiten auf der eigentlichen Baustelle befaßt ist, während die Firma, die die illegalen Rodungen durchführte, nicht auf der Baustelle tätig war; die Verfügung hätte sie dann womöglich nicht oder nur mit Verspätung erreicht.

Der Ortstermin hatte also stattgefunden, und eine Verfügung, welchen Inhaltes auch immer, war ausgesprochen worden. Was geschah daraufhin?

Die „Gläserne Akte“ schreibt dazu: „Das Referat hat dann die weitere Aufarbeitung und den Ortstermin abgewartet wie es in solchen Fällen üblich ist. Die Faktenlage war zu diesem Zeitpunkt noch zu unklar für eine umfassende Information der Dezernentin. Am 20. November gab es einen erneuten Ortstermin mit den Beteiligten. Am 25. November (…) wurde die Dezernentin anhand der inzwischen besser aufbereiteten Faktenlage informiert”.

Daraus ergibt sich FRAGE 3: Wenn nach Meinung der UNB die illegale Rodung der Fläche am Tage des (ersten) Ortstermins schon „abgeschlossen” gewesen war, wieso wurde die „Faktenlage” trotzdem als „zu unklar” angesehen, um die Dezernentin, die Fraktionen und den Oberbürgermeister zu informieren? Welche Art von zusätzlicher „Aufbereitung” fand zwischen dem 11. und dem 25.November – immerhin volle 14 Tage! – statt?

Und ferner FRAGE 4: Wenn schon am 11.November eine Verfügung ausgesprochen wurde, wieso wurde ihre Einhaltung nicht kontrolliert? Gemäß „Gläserner Akte” vergingen wiederum volle 9 Tage bis zu einem weiteren Ortstermin. Bei diesem Ortstermin hätte dann doch auffallen müssen, daß die illegalen Rodungen entgegen der Verfügung fortgesetzt worden waren. Aber wieder vergingen weitere 5 Tage, bis die Dezernentin informiert wurde. Wie kann es sein, daß sie über einen Zeitraum von 14 Tagen keine Kenntnis von derart gravierenden Verstößen gegen einen Bebauungsplan, wie auch gegen eine Verfügung, hatte?

FAZIT: Es ist offensichtlich, daß die Darstellung, die die Verwaltung gibt, in wesentlichen Punkten nicht stimmen kann, und zwar selbst dann, wenn nach dem 11.November tatsächlich nur noch Schnittgut abgefahren worden wäre (wie von der Heydt im Bauausschuß behauptete). Hier werden entscheidende Aspekte vertuscht, bzw., hier wird die Öffentlichkeit getäuscht hinsichtlich der wahren Gründe, warum die Verwaltung die „illegalen Rodungen” nicht wenigstens ab dem 11. November verhindert hat.

Wir rufen die Verwaltung auf, endlich die ganze Wahrheit auf den Tisch zu legen. Bei einem derart kontroversen Ansiedlungsprojekt wie „Möbel-Höffner” ist dies unbedingt notwendig. Weitere Ausflüchte beschädigen das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Verwaltung nur noch weiter und führen zu unerquicklichen Spekulationen über die wahren Hintergründe.

OFFENER BRIEF an Frau Stadträtin Grondke

Sehr geehrte Frau Stadträtin Grondke,

wir beziehen uns auf Ihre Antwort auf die Einwohneranfrage von Frau Brüggemann, verlesen in der Kieler Ratsversammlung vom 18.3.2021, bezüglich der Ausgleichsflächen auf dem „Prüner Schlag“, im Zusammenhang mit der Baustelle „Möbel Höffner / Sconto“.

Sie schreiben in Ihrer Antwort, mit Bezug auf den Ortstermin am 11.11.2020: „Die Maßnahmen­flächen A1 bis A3 wurden vom Hasseldieksdammer Weg aus begangen. Die Bege­hung dauerte entsprechend mehrere Stunden. Zu diesem Zeitpunkt waren die unsachgemäßen Arbeiten bereits abgeschlossen. Das auf dem Gelände verbliebene Schnittgut sollte allerdings aus Artenschutz­grün­den zügig beseitigt und damit eine anschließende Besiedelung der Schnittguthaufen vermieden werden.”

Die Aussage „Zu diesem Zeitpunkt waren die unsachgemäßen Arbeiten bereits abgeschlossen” ist nach unserem Wissen unzutreffend. Uns vorliegende Photos, Videos und Augenzeugenberichte belegen, daß die „unsachgemäßen Arbeiten” am 11.11.2020 noch in vollem Gange waren. Es ist unerklärlich, wie die Teilnehmer des Ortstermins die in den Ausgleichsflächen tätigen Bagger (mindestens 3) nicht bemerken konnten.

Die „unsachgemäßen Arbeiten” wurden nachweislich mindestens bis zum 20.11.2020 fortgesetzt, und dabei handelte es sich ausdrücklich nicht nur um den Abtransport des Schnittguts, sondern um weitere Beseitigung der Vegetation durch schweres Gerät. Auf einem am 16.11.2020 aufgenom­menen Photo erkennt man zwei Bagger (einer davon eindeutig kein „Minibagger”), aber keine Container für Schnitt­gut. Am 19.11.2020 wurde dann erstmals ein Container dokumentiert (dennoch sind mehrere große Schnittguthaufen erst etwa Anfang Februar 2021 beseitigt worden).

Folglich hätte eine am 11.11.2020 ausgesprochene Aufforderung, die „unsachgemäßen Arbeiten” unverzüglich einzustellen, den ökologischen Schaden erheblich verringern können.

Richtig ist allerdings, daß der Schaden noch wesentlich geringer ausgefallen wäre, wenn Umwelt­amt und/oder Stadtplanungsamt schon in den drei Wochen vor dem 11.11.2020 die fraglichen Flächen kontrolliert hätten.

Die Photos, Videos und Augenzeugenberichte, die uns zu dieser Thematik vorliegen, sind unter folgen­der URL dokumentiert und veröffentlicht worden:

Wir bitten um Ihre Stellungnahme.

Ferner halten wir es für geboten, daß die Ratsversammlung, als auch die Öffentlichkeit, über diese notwendige Korrektur Ihrer Antwort auf die Einwohneranfrage informiert werden.

Schließlich bitten wir dringend um Klärung der Frage, wieso die Teilnehmer des Ortstermins vom 11.11.2020 trotz einer Begehung von „mehreren Stunden” Dauer die in den Ausgleichsflächen tätigen Bagger nicht bemerkt haben. Dazu wäre u.Umst. ein Einblick in das Protokoll dieses Ortstermins hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen,

Andreas Galka, stellvertretend für die Bürgerinitiative „Projekt Prüner Park”

Die Zerstörung der Ausgleichsflächen auf dem Prüner Schlag im Herbst 2020: Dokumentation anhand von Photos, Videos und Augenzeugenberichten

Der im Jahr 2016 rechtskräftig gewordene Bebauungsplan 988 für den Bau der Möbelhäuser „Höffner“ und „Sconto“ legt fest, daß auf den ehemaligen Kleingartenanlagen „Prüner Schlag 10-18“ und „Brunsrade 18-23“ neben dem „Sondergebiet Einzelhandel-Möbel“, also der eigentlichen Baufläche, auch „Flächen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft“ bestehen müssen, die etwas mehr als ein Drittel der Gesamtfläche ausmachen. Dabei war ausdrücklich gefordert, daß diese Flächen, vereinfachend auch „Ausgleichsflächen“ genannt und mit A1, A2 und A3 bezeichnet (siehe Karte), in ihrem gegenwärtigen verwilderten Zustand belassen sowie schonend gepflegt und ökologisch aufgewertet werden sollen.

Stattdessen wurde aber im Herbst 2020 in diesen Ausgleichsflächen fast die gesamte Vegetation vernichtet, bis auf einige Bäume und Heckenreste, und der Boden wurde von schweren Kettenfahrzeugen niedergewalzt; etwa 50 Bäume wurden gefällt, darunter auch solche mit bis zu 1,80 Meter Stammumfang. Die ansässige Tierwelt wurde vertrieben oder ausgelöscht.

Als dies im Januar 2021 bekannt wurde, teilte Edda Metz, Geschäftsführerin von „Möbel Höffner“, mit, es habe sich nur um einen einzelnen Baggerfahrer gehandelt, der die Karte nicht richtig gelesen habe. „Wo gearbeitet wird, passieren Fehler“, sagte sie.

Diese Behauptung hat den Krieger-Konzern (zu welchem „Möbel Höffner“ gehört) zwar nicht vor mehreren Strafanzeigen bewahrt, darunter einer von der Stadt Kiel selbst, aber sie hat sich doch in vielen Köpfen festgesetzt. „Eine Irrfahrt mit Folgen“ titelten die „Kieler Nachrichten“, und auch viele Redebeiträge in der Sitzung der Kieler Ratsversammlung vom 18.2.2021 ließen die Grundüberzeugung erkennen, die Bauarbeiter hätten versehentlich die Ausgleichsflächen zerstört.

Take-home message: Die Schuld liegt allein bei einem (oder vielleicht auch mehreren) unfähigen Baggerfahrern, der Bauherr kann nichts dafür.

In Wirklichkeit sind die Ausgleichsflächen aber nicht von den auf der eigentlichen Baustelle tätigen Unternehmen niedergemäht worden, sondern von einem anderen, offenbar eigens für diesen Zweck beauftragten, Unternehmen für Gartenbau. Es handelte sich um eine systematische planvolle Zerstörung, die 6-8 Wochen in Anspruch genommen hat und schon daher nicht mit der Irrfahrt eines einzelnen Baggerfahrers erklärt werden kann.

Der vorliegende Blog-Artikel hat den Zweck, dies zu beweisen, durch Photos, Videos und Augenzeugenberichte. Dazu erscheint es sinnvoll, die Vorgänge und die vorliegenden Daten chronologisch darzustellen.

Die Ausgleichsflächen vor der Zerstörung

Die Bauarbeiten begannen etwa Ende September 2020, zunächst nur auf der eigentlichen Baufläche. Ein Bauzaun wurde errichtet, jedoch war er zunächst noch nicht geschlossen, sondern endete im westlichen Teil der Fläche.

Ausgleichsfläche A1, vor der Zerstörung; im Vordergrund die bereits vorbereitete Baufläche; Aufnahmedatum: 17.10.2020
Ausgleichsfläche A2 vor der Zerstörung; im Vordergrund haben die Bauarbeiten bereits angefangen; Aufnahmedatum: 29.9.2020. Die vorderste Parzelle ist Parzelle 556.

Der Beginn der Arbeiten im Oktober

Am 26.10.2020 besuchte ich meine ehemalige Parzelle (556) in Ausgleichsfläche A2 und stellte fest, daß während der vorangegangenen Tage die Vegetation in den Ausgleichsflächen nieder­gemäht worden war. Diesen Zustand dokumentieren folgende Luftbilder:

Ausgleichsfläche A1 nach Beginn der ersten Arbeiten: die Vegetation wurde gemäht, der Boden ist aber noch nicht aufgebrochen. Aufnahmedatum: 1.11.2020. Man beachte die recht prominente Thuja, mittig nahe dem rechten Bildrand; sie wird weiter unten nochmals gezeigt werden.
Ausgleichsfläche A2 nach Beginn der ersten Arbeiten; Aufnahmedatum: 1.11.2020. Links vorne ist Parzelle 556 zu sehen.

Arbeiten im November 2020

Am 3.11.2020 wurden von einer Anwohnerin in Ausgleichsfläche A2 Fahrzeuge der „Firma X“ (der wirkliche Name ist mir bekannt) beobachtet und gefilmt; hier ein Einzelbild aus einem Video:

Fahrzeug der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A2; Aufnahmedatum: 3.11.2020; Photograph: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video, das einen 360-Grad-Rundum-Schwenk zeigt, aus dem ersichtlich ist, daß sich das Fahrzeug neben der Zufahrt vom Hasseldieksdammer Weg zur „Grünen Schützengilde“ befindet.

Im Januar 2021 bestätigte der Geschäftsführer der „Firma X“ bei einem Telephonat, daß er 2020 auf dem Gelände gearbeitet habe. Ein Bericht über dieses Telephonat ist zu finden auf dem Blog „Kiel Aktuell“ unter https://kielaktuell.com/2021/01/26/so-sieht-es-heute-auf-der-ausgleichsflaeche-aus/

Am 5.11.2020 nachmittags wollte ich meine ehemalige Parzelle (556) in Ausgleichsfläche A2 besuchen, unterließ dies jedoch, da ich auf dem Gelände zahlreiche Kettenfahrzeugen und Arbeiter vorfand – leider habe ich sie nicht gezählt oder photographiert.

Am 11.11.2020 wurden von einer Anwohnerin in Ausgleichsfläche A1 gleichzeitig drei Kettenfahrzeuge und ein Schredder der „Firma X“ beobachtet und gefilmt; hier zwei Einzelbilder aus einem Video:

Kettenfahrzeuge der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video.
Kettenfahrzeuge der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video.

Eines dieser Kettenfahrzeuge wurde am selben Tag von einer anderen Anwohnerin auf Ausgleichsfläche A3 beobachtet und photographiert:

Kettenfahrzeug der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A3; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin R.
Kettenfahrzeug der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A3; Aufnahmedatum: 11.11.2020; Photograph: Anwohnerin R.

Gemäß der „Gläsernen Akte“ auf der Homepage der Stadt Kiel besuchten Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde am 11.11.2020 das Gelände zu einem Ortstermin. Die Referentin für Umwelt, Klima und Mobilität schrieb anschließend an die Ratsfraktionen: „Am 11.11.2020 wurden die Flächen kontrolliert. Die in den im B-Plan festgesetzten Maßnahmeflächen A1 bis A3 festgestellt Arbeiten entsprachen nicht den verbindlich festgelegten Entwicklungszielen. Die Arbeiten waren bereits abgeschlossen.

Am 14.11.2020 besuchte ich meine ehemalige Parzelle (556) in Ausgleichsfläche A2 und fand den Bauzaun um die eigentliche Baustelle vollständig geschlossen vor. Mehrere Bäume waren gefällt.

Am 16.11.2020 wurden von einem Anwohner in Ausgleichsfläche A1 gleichzeitig zwei Kettenfahrzeuge beobachtet und photographiert:

Kettenfahrzeuge der „Firma X“ auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 16.11.2020; Photograph: Anwohner D.

Um die Stelle zu identifizieren, an der dieses Photo aufgenommen wurde, habe ich später das folgende Photo aufgenommen. Die prominente Thuja, die diese Photos zeigen, ist auch auf vielen Luftbildern sichtbar (s.o.) und kann als Orientierungspunkt verwendet werden.

Thuja auf Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 28.2.2021; Photograph: Abutimon.

Am 19.11.2020 wurde von einer Anwohnerin auf dem Wanderweg neben Ausgleichsfläche A1 der Abtransport eines Abfallcontainers beobachtet und gefilmt; hier ein Einzelbild aus einem Video:

Fahrzeug der „Firma Y“ mit Abfallcontainer auf dem Wanderweg neben Ausgleichsfläche A1; Aufnahmedatum: 19.11.2020; Photographin: Anwohnerin B. Einzelbild aus einem Handy-Video.

Der Geschäftsführer der „Firma X“ gab an, es seien von dem Gelände insgesamt 14 Container mit Grünabfall abgefahren worden.

Das folgende Bild hat eine Anwohnerin nach eigenen Angaben am 20.11.2020 um 15:31 Uhr aufgenommen. Sie schreibt dazu: „An diesem Tag habe ich kurz vorher beim Spaziergang mit dem Hund gesehen, wie die Brombeeren entrissen wurden, welche an dem Weg wuchsen. Ein kleiner Bagger (orange) wurde fleißig genutzt und es stand noch ein Mann mit einer Fernbedienung in der Hand auf dem Gelände und hat eine Art kleine ‚Raupe mit Greifarmen‘ bedient, welche die Sträucher herausgerissen hat. Leider habe ich da keine Bilder von gemacht. Ich war zu fassungslos … beide Männer hatten Grün/ Orange Kleidung an.

Container, Grünschnitt und Betonschutt auf Ausgleichsfläche A1. Aufnahmedatum: 20.11.2020. Photographin: Anwohnerin M.

Am 2.12.2020 wurde von einer Anwohnerin am Rande der Ausgleichsfläche A2, bzw. im Knick zwischen der Ausgleichsfläche und dem Hasseldieksdammer Weg, ein Bagger beobachtet und photographiert:

Bagger am Rande von Ausgleichsfläche A2; Aufnahmedatum: 2.12.2020; Photograph: Anwohnerin S.

Das Ergebnis der Arbeiten

Die gegen Ende November 2020 weitgehend abgeschlossene Zerstörung der Ausgleichsflächen wird durch die folgenden Luftbilder vom November bzw. Dezember dokumentiert:

Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 27.11.2020. Links im Bild ein mehrere Meter hoher Berg von Grünabfall und Schredderauswurf, der erst Anfang Februar 2021 abgefahren wurde.
Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 27.11.2020. Etwas oberhalb der Mitte ist die prominente Thuja zu sehen.
Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 19.12.2020.
Ausgleichsfläche A1, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 19.12.2020.
Ausgleichsfläche A2, nach der Zerstörung. Aufnahmedatum: 19.12.2020. Im rechts-oberen Bildviertel befindet sich Parzelle 556.

Abschließend noch einige Bilder vom Boden:

Baggerspur und Heckendurchbruch in Parzelle 556. Aufnahmedatum: 8.11.2020. Photograph: Abutimon.

Während der Bodenbewuchs in Parzelle 556 noch einigermaßen intakt ist, sind andere Parzellen wesentlich schlimmer betroffen:

Fahrzeugspuren in Ausgleichsfläche A2. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.
Fahrzeugspuren in Ausgleichsfläche A2. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.
Mehrere Meter hoher Berg von Grünabfall und Schredderauswurf in Ausgleichsfläche A2, der erst Anfang Februar 2021 abgefahren wurde. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.
Frische Baumstümpfe in Ausgleichsfläche A2, Nähe Westring. Aufnahmedatum: 28.11.2020. Photograph: Abutimon.

Mein Redebeitrag bei der Demonstration „Klima retten statt Höffner-Betten“ am 27.2.2021 in Kiel

Warum sind wir heute hier? Weil man uns die Gärten geraubt hat. Weil man uns die Grünflächen geraubt hat. Seit Jahrhunderten war der Prüner Schlag öffentliches Land. Er gehörte der Bevölkerung von Kiel. Er gehörte uns.

Dann kam da so ein Yuppie daher, ein gewisser Torsten Albig. Er ließ sich, mithilfe der Kieler SPD, zum Oberbürgermeister wählen und begann, Kieler Grünflächen an einen rücksichtslosen Konzern zu verscherbeln. Ein Yuppie, der zuvor keine Beziehung zu Kiel hatte, der hier nur Karriere machen wollte. Ein paar Jahre Ministerpräsident sein. Und wo ist er jetzt? Jetzt lebt er in Brüssel als Lobbyist eines Konzerns. Er zieht es vor, nicht in der Stadt zu leben, der er die Grünflächen geraubt hat.

Den Krieger-Konzern interessiert einzig und allein der Profit. Naturschutz, oder Lärmschutz für die Anwohner der Baustelle, interessieren ihn nicht. Er will dieses Grundstück vor allem als Wertanlage. Im ganzen Land verdrängt Krieger kleinere Möbelhäuser und kauft sie dann auf; anschließend reduziert er das Einkommen der Belegschaft auf zwei Drittel (siehe Disclaimer unten). Dieser Konzern ist kein seriöser Geschäftspartner.

Wir fordern:

  • sofortiger Baustopp für Möbel Höffner.
  • Die Klimaschutzstadt Kiel soll ihre Klimaschutzziele endlich ernst nehmen.
  • Dauerhafter Schutzstatus für den gesamten Kieler Grüngürtel. Für Gewerbeansiedlungen gibt es Gewerbegebiete.
  • Verzicht auf Verkehrsprojekte, die vor 40 Jahren geplant wurden: Verzicht auf Südspange und A21-Anschluß; Bewahrung der Kleingärten im Süden Kiels.

Laßt uns gemeinsam Kiel grün und lebenswert erhalten. Ich danke Euch fürs Kommen und für Euer Engagement.

Disclaimer: die Zahl 2/3 ist ein summarischer Schätzwert; mir liegen keine präzisen Zahlen der einzelnen Übernahmen anderer Unternehmen vor. Das tatsächliche Verhältnis kann höher oder auch niedriger liegen.

Sommerbilder 2020

Es ist eine alte Tradition, daß auf diesem Blog jedes Jahr eine Sammlung von „Sommerbildern“ veröffentlicht wird, und auch dieses Jahr soll dies geschehen, wenn auch leider mit einiger Verspätung, für die ich den Leser um Vergebung bitte.

Gärtnerisch war das Jahr in diesem Garten eher unspektakulär; nachdem die ausgesäten Ringelblumen und Sonnenblumen nicht aufkeimten, wurde das Pastinakenbeet von Gras und Wildkräutern überwachsen. Stattdessen wurde aber auf dem Grabungsareal I der Prunarslagshejm-Ausgrabung ein neues Beet angelegt, auf dem demnächst eine Gründüngung ausgesät werden soll. Die Ernte in Parzelle 556 beschränkte sich dieses Jahr auf Äpfel, Johannisbeeren und Pfefferminze.

Südlich der Parzelle legten die Recken des 1. Kieler Guerilla-Gardening-Battaillons einen weiteren Schriftzug an; der Eigentümer des Geländes war darüber anscheinend so erbost, daß er Ende September eine Armee von Baumaschinen in Bewegung setzte, die die beiden Schriftzüge komplett auslöschten und an seiner Stelle hohe Erdgebirge aufhäuften (siehe unten).

Wie wird die Zukunft dieses Gartens und dieses Geländes aussehen? Anscheinend hat der Eigentümer tatsächlich die Absicht, hier doch noch ein „Möbelmarktzentrum“ zu errichten. Welche Bilder werden in einen Jahr auf diesem Blog veröffentlicht werden?

Parzelle 556 im Juni 2020: Deutlich sichtbar ist links die Sandfläche und gleich rechts daneben die Rotblättrige Kirschpflaume. Unterhalb der Sandfläche, am linken Ende der Hecke, erkennt man Grabungsareal II der Prunarslagshejm-Ausgrabung; Grabungsareal I liegt unterhalb der Kirschpflaume, leicht nach rechts gerückt. Der Apfelbaum ist weiter rechts hauptsächlich durch seinen Schattenwurf erkennbar.
Blick in Parzelle 556 durch den Eingang, in westlicher Richtung
Blick in Parzelle 556 in östlicher Richtung; im Vordergrund die Sandfläche sowie Grabungsareal I
Apfelblüte im Mai
Apfelblüte im Mai
Auf die Blüten folgen die Früchte.
Auf der Sandfläche hat sich Magenta Spreen (Chenopodium giganteum) angesiedelt, zur Freude der hungrigen Kaninchen.
Die Lupinen fühlen sich im östlichen Teil der Parzelle wohl.
Raupe des Jakobskrautbären auf Jakobskraut
Blick über die Vegetation, die sich dieses Jahr auf dem Prüner Schlag ausgebreitet hat; nur wenige Wochen später wurde sie von Baumaschinen komplett ausgelöscht.
Der Pächter von Parzelle 556 erfreut sich an dem Anblick der frisch geschnittenen Hecke; dahinter erhebt sich majestätisch der frisch aufgetürmte Mount Höffner.
Es wird Abend in Parzelle 556, in doppelter Hinsicht. Anfang September 2021 soll das „Möbelmarktzentrum“ eröffnet werden.